Freitag , 21 Februar 2020
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Urwerk folgt mit der UR-100 GunMetal „angeblich“ dem Sonnenlauf

«Der Stand der Sonne», so der Urwerk Pressetext, «ist unsere Zeitbasis, unsere universelle Messlatte, denn instinktiv leben wir alle im Rhythmus des Sonnenverlaufs in unseren eigenen Breitengraden».

Und weiter geht’s mit dem Marketing-Gesäusel, «demzufolge ist es nur natürlich, dieses lautlosen Reise eine ganze Kollektion zu widmen. Hier möchten wir Ihnen die UR-GunMetal als ein Modell der Urwerk-Kollektion «Space Time» präsentieren.

Langsam kriege ich Kopfschmerzen beim Lesen dieses Textes, der an eine Aneinanderreihung von Fremdwörtern ist.

Kürzen wir alles ab aufs Wesentliche, um was geht’s. Die UR-100 GunMetall liefert neben den auf Satelitten angezeigten Stunden und Minuten noch eine weitere, neue Information. Die Kreativität der beiden Urwerk Protagonisten Baumgartner & Frei kennt keine Grenzen. Sobald der Minutenzeiger die 60. Minute durchlaufen hat, verschwindet er, um als Kilometerzähler wiederaufzutauchen. Er zeichnet die 555 Kilometer lange Reise nach, die jeder Erdbewohner alle 20 Minuten hinter sich bringt. Dabei handelt es sich um die am Äquator berechnete durchschnittliche Rotationsgeschwindigkeit der Erde. Genau gegenüber wird ein weiterer Wert angezeigt, der der Umlaufgeschwindigkeit der Erde um die Sonne, d.h. 35 750 Kilometer pro 20 Minuten entspricht. Stunden und Kilometer befinden sich auf der UR-100 GunMetal auf der gleichen Ebene und teilen den gleichen Status. Die Stunden werden in leuchtendem Grün und die Kilometer in gleissendem Weiss angezeigt. Uhrmachermeister und Urwerk-Mitbegründer Felix Baumgartner zum TOURBILLON BLOG Tick-Talk.ch: «Meine Inspirationsquelle war ein Geschenk meines Vaters Geri Baumgartner, der ein renommierter Restaurator aller Pendeluhren war. Es handelt sich um eine von Gustave Sandoz für die Weltausstellung 1893 gefertigte Pendeluhr, die jedoch nicht die Uhrzeit, sondern die von der Erde am Äquator zurückgelegte Distanz anzeigt». Designer und Urwerk-Mitbegründer Martin Frei musste hart kämpfen, um diese Information auf den Zifferblättern der UR-100 durchsetzen zu können: «Meiner Meinung nach ist eine Uhr eine physikalische und abstrakte Reproduktion unseres Standortes auf der Erde. Sie verankert uns zu einem bestimmten Zeitpunkt auf einem bestimmten Breitengrad und zeugt gleichzeitig von der Vergänglichkeit dieses Standorts». Wobei wir in der Abteilung Storytelling gelandet sind.

Und schon gehts weiter im Text: Unter der Kuppel der UR-100 schlägt das Urwerk-Kaliber 12.01 mit einer Stundenanzeige über drei Satelliten. Der Satellit, der die genaue Stunde angibt, zeiht von 0 bis 60 an der Minutenschiene entlang. Er wird aus Aluminium gefertigt und nach dem Eloxieren sand- sowie mikrokugelgestrahlt. Jede einzelne Schraube der Satelliten ist kreisförmig satiniert. Die Satelliten selbst ruhen auf einem sandgestrahlten und mit Ruthenium beschichteten Minikarussell. Die die Stundenanzeige überragende Struktur ist aus sand-und mikrokugelgestrahltem Aluminium. Den Automatikaufzug der UR-100 treibt ein beidseitig wirkender Rotor an, der von einem profilierten Propeller namens Windfänger reguliert wird.

Das Gehäuse der UR-100 ruft eine regressive Freude hervor. Treue Fans der unabhängigen Nischenmarke werden sich an der Ästethik der ersten Modelle von Urwerk erinnern. «Wir haben einige ältere Elemente unserer ersten Konstruktionen wiederaufgenommen und unseren Ansatz komplett umstrukturiert. Ein Beispiel: Die Stahlkuppel unserer historischen Modelle wurde hier völlig transparent in Saphirglas nachgebildet, und ihre Perfektion wird durch Unebenheiten des Titan- und Stahlgehäuses hervorgehoben. Da ich unaufhörlich das Diktat der Symmetrie hinterfrage, habe ich mit den Proportionen gespielt, um dem Blick zu schmeicheln», erklärt Martin Frei zusammenfassend.

Ich hoffe, dass ich mit diesen Zeilen Ihren Intellekt nicht überstrapaziert habe und dass Ihnen damit nicht die Freude an den Uhren vergangen ist.

Fazit: Warum soll ich mir eine Armbanduhr für 48’000 Schweizer Franken in einer Auflage von 25 Exemplaren kaufen, die mehr für einen Astrophysiker gemacht wurde als für eine normalen Kunden? Da greife ich lieber zu einer Patek Philippe Calatrava oder einem Worldtimer und habe Freude und Passion am aufregendem Spiel der Zeiger, die ich einfach verstehe. Zudem besitze ich dann auch eine tragbare Investition am Handgelenk, deren Wert unweigerlich steigen wird, was man von einem Urwerk Instrument nicht behaupten kann.

About Karl Heinz Nuber

Jahrgang 1951, war einer der ersten Journalisten, der sich dem Thema Zeitmesser hauptberuflich annahm. 2005 lancierte er das TOURBILLON - Das Schweizer Magazin für Uhren, Menschen, Life & Style. Heute ist er ein international gefragter Berater, Autor, Dozent, Talk-Gast und ausgewiesener Experte für Uhrensammlungen und Sammleruhren.

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