Donnerstag , 2 Juli 2020
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James Dean mit seinem "Little Bastard", einem Porsche 550 Spyder

Porsche 550 Spyder: Einer Legende auf der Spur

Der Porsche 550 Spyder, der Mitte der 50er Jahre das Traumauto schlechthin war, erlebt seine Renaissance. Nicht als Original, sondern als perfekter Nachbau „Handmade in Brazil“. Berühmt wurde der Spyder durch den Schauspieler James Dean, der für eine ganze Generation Kultfigur war und heute noch ist.

Totgesagte leben länger. Im Aussenbezirk „Vila Carioca“ der 18-Millionen-Wirtschafts-Metropole ‚Gross-Sao Paulo‘, weitab von den Spotlights der internationalen „Schickeria“, in einer kleinen unscheinbaren Autoschmiede an der Rua Licio de Miranda 234, einer schwer auffindbaren Seitenstrasse, versteckt vor neugierigen Blicken, wird dieses Meisterstück in kompletter Handarbeit in über 1.000 Einzelteilen seit 1987 in Lizenz (Lizenzgeber Charles Beck USA) angefertigt und zusammengebaut.

Ein Familienbetrieb mit 25 Mitarbeitern sowie 300 Zulieferfirmen bürgen gemeinsam für die Qualität der Einzelteile und den hochwertigen Finish des gesamten Wagens.

„Wir pflegen den Geist der guten alten Sportwagen Manufakturen“, meint der 50-jährige Newton Masteguin, Inhaber der Chamonix Ltda. in Sao Paulo. „Qualität gehe vor Quantität“, so Newton Masteguin und verweist in diesem Zusammenhang auf die Tatsache, dass lediglich 11 „Porsche Spyder 550“ sein Haus verlassen.

Auf die Frage wer denn die Klientel sei, meint Newton, „99 Prozent seien für den Export bestimmt“. 80 Prozent der Kapazität gehe an die Firma Osaka in Tokio, die über 30 Outlets in Japan verfügt. Ein kleiner Prozentsatz gehe nach den Staaten, Europa sei in dieser Hinsicht noch Entwicklungsland. Dort laufen erst 5 bis 6 des offenen Zweisitzers, vorwiegend im Autoverrückten England. „Dies wird sich sich mittel-und langfristig ändern“, meint Newton Masteguin.

Er befinde sich gerade in einer Evaluation Phase für Europa. Holland, Italien, Spanien, Portugal und England habe er abgedeckt. In Österreich und in der Schweiz habe er noch keinen Vertriebsrepräsentanten gefunden.

Es sei „verdammt schwierig“ wirklich seriöse Partner zu finden. Schwergewicht lege er bei einer Zusammenarbeit auf den „after sales service“, der vollumfänglich gewährleistet werden muss. Andererseits wolle er seine Kapazitäten nicht nur um des Expansionswillen ausweiten, denn für sein Haus gelte nach wie vor die Devise „die Liebe zum Detail komme vor hohen Stückzahlen“. Diesen Firmengrundsatz bekommt man zu spüren, wenn man in so einem Gefährt auf den knallroten Ledersitzen Platz nimmt. Newton hatte uns die stärkste Ausführung mit einem 2,4 Liter VW wassergekühlten Boxertriebwerk für unsere „Spritzfahrt“ durch Sao Paulo ausgesucht.

Tritt man aufs Gaspedal so beschleunigen die 175 PS den 580 Kilogramm leichten Wagen von 0 auf 100 Kilometer in 5 Sekunden. Kunststück: denn das „Kleid“ dieses offenen Zweisitzers besteht aus einem Stahlrohrrahmen mit einer superleichten super strapazierfähigen Polyesterkarosse überzogen.

Und plötzlich sind wir im Dschungel der 60.000 Strassen von Sao Paulo. Die Tachometernadel rast auf die 250 Kilometer (270 km ist Spitzengeschwindigkeit der stärksten Version) Marke zu, plötzlich ein Fussgängerstreifen, ein Antippen der Bremsen und wir stehen abrupt einen Meter vor dem Fussgänger, der mit einem Einkaufswagen voller Tennisbälle die Strasse überquert.

Und wieder Beschleunigen, musikalisch untermalt wird die Fahrt vom erregenden Motorensound der angenehm in den Ohren dröhnt. In der Beschleunigung erinnert mich dieses Cabrio eher an ein Suzuki Zweirad. Auf den Bezinverbrauch angesprochen, meint Newton, „der Verbrauch schwanke so zwischen 5 und 7 Liter, je nach Fahrweise“. Die harte Federung fängt die schlechten Strassenverhältnisse nur notdürftig auf, wie man dies von einem Sportwagen gewohnt ist. Wobei gesagt werden muss, dass in Brasilien seit 15 Jahren keine Strassen mehr ausgebessert wurden. Trotzdem – der Wagen fährt sich wie auf Schienen, dies kommt vom Tiefergelegtem Fahrwerk (150 mm Bodenfreiheit), da heisst es aufpassen, dass man nicht den Auspuff oder den hintenplatzierten Ölkühler rassiert.

Und siehe da, an einer auf Rot gestellten Ampel haben wir einen Streifenwagen zum unmittelbaren Nachbarn. Die beiden brasilianischen Polizisten winken uns freundlich und jovial herüber, man kennt sich, denn man lebt miteinander und voneinander. Dollars wechseln die Besitzer für grenzenlose Freiheit. Der Dollar ist das Gesetz – und wer Dollars hat, ist das Gesetz. Ganz einfache Spielregel, an die man sich hält, wenn man keinen Ärger will. Apropos Geschwindigkeit: „Katalysator und Schalldämpfer nehmen ein bisschen von der Power“, meint Newton auf die europäischen Normen angesprochen. „Jedoch habe man mit Europa gute Erfahrung wegen der Zulassung gemacht“, so Newton ergänzend zu mir.

Newton Masteguin

„Die meisten europäischen Besitzer haben auf die für die Normen erforderlichen Massnahmen nach erfolgter Zulassung schnell einmal verzichtet, dies sei die Realität“, plaudert Newton aus der Praxis. „Dadurch dass wir nur Original VW und Porsche Teile für diesen Rep-Car verwenden, ist jede VW und Porsche Garage in Europa in der Lage, Service-Leistungen und Reparaturen fachgemäss durchzuführen“, argumentiert Newton überzeugend auf meine Frage der Service-und Garantie-Gewährleistung. Bis er die Frage eines europäischen Partners geklärt habe, – er wünscht sich zwei bis drei Schwerpunkthändler in Deutschland, Österreich und der Schweiz – werden Direktbestellungen speditiv ab dem brasilianischen Hafen Santos via Bremen (Deutschland) per Schiff innert 8 bis 12 Wochen ausgeführt. „Ein Container fasst, wenn wir die Reifen abmontieren, drei von unseren Zweisitzern. Der Transport wird mit US$ 2.500 dem Interessent in Rechnung gestellt“, meint Newton zum Bestellungs-Prozedere.

Der Preis dieses Flitzers liege je nach Motorisierung und Ausstattung zwischen 50’000 und 100’000 Schweizer Franken, „wobei wir nur die stärkste Version aufgrund rationeller Überlegungen für den europäischen Markt anbieten werden“, so der O-Ton des Hauses.

Zurück – wieder auf dem Firmengelände der Chamonix Ltda. Den Motoren-Sound habe ich immer noch in den Ohren. Ich steige aus – mit dem Gefühl, dass ich ohne dem Porsche 550 Spyder nicht mehr leben kann.

Ein Tag später: Newton Masteguin steht vor meiner Haustür und was hat er mitgebracht: einen Porsche 550 Spyder. Das Original, so wie James Dean auf ihn abgefahren ist: in Silbermetalliseé mit der Nummer „130“ auf dem Kofferraumdeckel. Hinten auf der Motorhaube lese ich „My little Bastard“. Welcome at home, my blody Bastard.

Der „Chamonix 550 Spyder“ im Telegramm Stil

Stahlrohrrahmen mit Polyesterkarosse; Bodenfreiheit 150 mm; Länge des Zweisitzers: 3708 mm; Breite: 1549 mm; Radstand 2160 mm; Leergewicht 580 Kilogramm; Vorne Scheiben-, hinten Trommel-Bremsen; Motor sitzt vor der Hinterachse; Vier Boxertriebwerke stehen zur Wahl: 1,6 Liter mit 75 PS; 2 Liter mit 125 PS; 2 Liter mit 145 PS; 2,4 Liter wassergekühlt mit 175 PS; Viergang-Getriebe; Beschleunigung von 0 auf 100 Km in 5 Sekunden (stärkste Version); Benzinverbrauch auf 100 Kilometer zwischen 5 und 7 Liter; Die Normalmodelle basieren weitgehendst auf VW Technik; die teuerste Version glänzt mit edlen Porsche Teilen (Fahrwerk, Bremsen) und Superbreitreifen (Dimension 5,50 x 15 Zoll) auf Alufelgen; Lederausstattung und Bosch-Hi-Fi-Anlage ist serienmässig; Abnehmbares Top-Dach; Metallic Lackierung; VW Mechanik mit VW Garantie; Porsche Mechanik mit Porsche Garantie;

Weiterführende Informationen:

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About Karl Heinz Nuber

Jahrgang 1951, war einer der ersten Journalisten, der sich dem Thema Zeitmesser hauptberuflich annahm. 2005 lancierte er das TOURBILLON - Das Schweizer Magazin für Uhren, Menschen, Life & Style. Heute ist er ein international gefragter Berater, Autor, Dozent, Talk-Gast und ausgewiesener Experte für Uhrensammlungen und Sammleruhren.

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