Samstag , 24 September 2022
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Patek Philippe Ref. 5035

Uhren tragen oder über Komplikationen nachdenken?

Es gibt Komplikationen, die im Safe gelagert werden, über deren Bedienung man nachdenken muss. Und es gibt den Ewigen Kalender von Patek Philippe, Ref. 5035, , den man lieber jeden Tag trägt, als sich den Kopf tagtäglich darüber zerbricht. Ich komme später darauf zurück.

Für mich war der Ewige Kalender die Ref. 3 von Urban Jürgensen & Sönner, vom einzigartigen Design, der guten Ablesbarkeit und von der einfachen Bedienung her, der schönste im Markt existierende Ewige Kalender. Unternaderem auch deshalb weil mich mit dem ehemaligen verstorbenen Inhaber eine tiefe Freundschaft verband. Damals als Peter Baumberger die Marke in den 80er Jahren erwarb, hatten wir beschlossen:

  1. Urban Jürgensen & Sönner wird zukünftig als Collector Brand positioniert
  2. Wir stellen von jeder Referenz 150 Exemplare in vier Edelmetallsorten (Gelbgold, Weissgold, Rosegold und als Krönung Platin) her
  3. Jede Uhr kostet, egal welche Komplikationen sie beinhaltet, 150’000 Schweizer Franken
Die Ref. 3 eine Ikone von Urban Jürgensen mit filigran von Hand guillochiertem Zifferblatt, damaliger Preis CHF 150’000.00, limitierte Auflage 150 Exemplare weltweit

Diese Positionierung wurde bis zur Ref. 9, bis zu Peter’s Tod, beibehalten. Danach wurde die Marke von Dr. Helmut Crott übernommen und die Strategie auf den Kopf gestellt. Heute ist die Nischenmarke unter dem Dänischen Inhaber nicht wiederzuerkennen. Eine Sportuhr mit dem Namen ONE in Edelstahl mit einem Preis von 24’500 Schweizer Franken fand in die Kollektion Eintritt, was für mich unverständlich ist. Wollte man doch damit den erfolgreichen Trend von Audemars Piguet mit der Royal Oak und bei Patek Philippe mit der Nautilus wiederholen.

PATEK PHILIPPE REF. 3940

Meine zweite grosse Liebe, die viel verspricht und auch haltet. Die Ref. 3940 von Patek Philippe, die 1985 auf den Markt kam, war Vorbote der Renaissance komplizierter mechanischer Uhren. Sie war mit dem Kaliber 240 q ausgestattet – einer optimierten Version des 1977 lancierten legendären Kalibers 240, dessen Besonderheit ein dezentral in die Platine versenkter Minirotor in 22K Gold war. Die Bauweise dieses Kalibers ermöglichte Patek Philippe die Fertigung flacher Uhren von unübertroffener Eleganz, und selbst als das Uhrwerk in einen ewigen Kalender mit 275 Einzelteilen übernommen wurde, war es nur 3,75 mm dick. Auch heute würde ein solch genialer Wurf gefeiert; in den 1980er Jahren grenzte es an ein Wunder. Die Ref. 3940 war technisch kühn und verlieh dem ewigen Kalender bei Patek Philippe ein neues Gesicht. Die rechteckigen Fensterchen, die so lange Tag und Monat angezeigt hatten, wurden durch Hilfszifferblätter bei drei und neun Uhr ersetzt. Diese Kombination von Uhrwerk und Zifferblatt-Design begeistert noch heute – etwa bei Modellen wie der Ref. 5139 und der wunderbaren Ref. 5940 im Kissengehäuse, die mit dem gleichen Zifferblatt-Layout eine vollkommen neuartige Version dieser exklusiven Komplikation präsentiert.

Die Ref. 3940 von Patek Philippe wurde von 1985 – 2006 produziert und hat deshalb den Spitznamen “Ewige Referenz”

Die eindrucksvolle Geschichte der Ref. 3940 begann mit einem Sondermodell für den Patek Philippe Geschäftspartner Beyer in Zürich zu dessen 225. Jubiläum. Fünfundzwanzig dieser Uhren wurden gebaut. Interessant ist auch, dass Patek Philippe für diese Uhren auch fortlaufende Werknummern des Kaliber 240 Q vergeben hat, die No.1 der Beyer Sondermodelle trägt die Werknummer 770001, die No. 25 trägt die Werknummer 770025. So etwas hat Patek Philippe nur sehr selten gemacht.

Und dass die  Ref. 3940 etwas Besonderes ist zeigt auch, das der Ehrenpräsident von Patek Philippe, Philippe Stern eine solche Uhr, ebenfalls mit dem goldenen Zifferblatt der Beyer-Edition, jedoch ohne Nummerierung, täglich trägt.

Die Ref. 3940 wurde von 1985 – 2006 hergestellt, also 21 Jahre, deshalb wird sie auch als “Ewige Referenz” bezeichnet. die Preise für eine pre-owned watch schwanken gemäss der Website Collectorssquare.com zwischen 68’536.- Euro im Jahre 2006 und 19’613.- Euro 2018. Heute haben sich die Preise für die Ref. 3940 zwischen 30 – 40’000.- Euro eingependelt.

PATEK PHILIPPE JAHRESKALENDER REF. 5035

Und last but not least, meine dritte grosse Liebe: Der Jahreskalender Ref. 5035 ist auch eine Uhr, die man gerne trägt, da man sich keinen Kopf machen muss. Seine Funktion und Leistung macht der Name klar: Er ist eine Kalenderuhr, die nur einmal jährlich, Ende Februar, ein manuelles Eingreifen des Trägers erfordert. Ansonsten berücksichtigt sie, solange das automatische Kaliber 315 S QA aufgezogen bleibt, die unterschiedliche Länge der Monate von 30 oder 31 Tagen.

Diese Uhr wurde entwickelt, um das Leben des Trägers, der eine Uhr anlegen und nicht mehr darüber nachdenken will (ja, es gibt solche Leute), zu vereinfachen. Doch erst der Auftritt der Ref. 5035 erhellte, wie gross die Kluft zwischen der Einfachheit der normalen Kalenderuhr und der noblen Komplikation des Ewigen Kalenders gewesen war. Die Ref. 5035 füllte in Bezug auf Funktion, mechanische Komplexität und den Preis eine Marktlücke, von deren Existenz niemand gewusst hatte …. zumindest niemand ausserhalb von Patek Philippe.


Demnächst mehr …

About Karl Heinz Nuber

Nuber ist langjähriger unabhängiger Uhren Journalist und begann seine Karriere in den frühen 80er Jahren. Durch das Sammeln kam er zum Schreiben. Er ist Gründer des vierteljährlich regelmässig bilingual – Deutsch und English - erscheinenden TOURBILLON Magazin’s, dem TOURBILLON Blog TICK-Talk, der Ausstellungs- und Event Plattform Art of TOURBILLON und TOURBILLON TV. Er tritt regelmässig als Kenner der Branche in Erscheinung.

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