Samstag , 6 März 2021
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Swatch-Group-Chef Nick Hayek muss sein Geschäftsmodell überdenken.

Swatch Group schreibt den ersten Verlust seit 37 Jahren

Warum Corona dem Uhrenkonzern heftig zusetzt und wie die Plastik-Swatch vom Bestseller zum Ladenhüter werden konnte.

Das Coronajahr 2020 hat der Swatch Group mächtig zugesetzt. Die Verkäufe des Bieler Uhrenherstellers sind um fast ein Drittel auf 5,6 Milliarden Franken eingebrochen. Wenig hilfreich war auch die Aufwertung des Frankens, der Rechnungswährung des Konzerns. Die Wechselkursentwicklung allein sorgte für einen Umsatzverlust von 286 Millionen Franken.

Der massive Rückgang der Verkäufe beschert der Swatch Group den ersten Verlust in ihrer jüngeren Geschichte: 53 Millionen Franken. Das dürfte für den 66-jährigen Nick Hayek die schlimmste Erfahrung in seiner 17-jährigen Zeit als Konzernlenker darstellen. Ausschlaggebend für diese Zäsur waren pandemiebedingte Restriktionen. In allen wichtigen Märkten ordneten Regierungen mehrwöchige Ladenschliessungen im ganzen Detailhandel an. Zudem bremsten weltweite Reisebeschränkungen die für alle Uhren- und Schmuckhändler wichtigen Verkäufe in den Zollfreiläden der Flughäfen.

Gross Gefahr bravourös gemeistert

Das letzte Mal hatte die Swatch Group 1983 einen Verlust erlitten. Das war ein Verlust von 173 Millionen Franken, wie sich der 60-jährige Finanzanalyst René Weber von der Bank Vontobel erinnert.

Die frühen 1980er-Jahren waren eine schlimme Zeit für die hiesigen Uhrenhersteller. Billige japanische Quarzuhren drohten die Schweizer Traditionsbranche zu überrollen. Doch Nicolas G. Hayek, der Vater des aktuellen Konzernchefs, und dessen talentierte Bieler Ingenieure fanden die geniale Antwort auf die Bedrohung. Am 1. März 1983 wurde die erste Swatch den Medien vorgestellt: Die Plastikuhr mit dem hippen Design und dem technisch revolutionierten Uhrwerk. Was danach kam war eine einzige Erfolgsgeschichte.

Nicolas G. Hayek, Vater des heutigen Chefs Nik Hayek, zeigt die neuste Uhr aus der Swatch Kollektion «Jelly in Jelly» in Lugano im Sommer 2006. Gaetan Bally/KEYSTONE

Dutzende von Millionen Swatch-Uhren hat die Seeländer Fabrik in den vergangenen 37 Jahren ausgespuckt. Zwar verflachte der steile Aufstieg schon vor 20 Jahren und bald darauf gingen die Verkaufszahlen auch zurück. Doch seit gut fünf Jahren ist die Swatch ganz besonders herausgefordert. Die spektakuläre Miniaturisierung elektronischer Komponenten machte die Entwicklung leistungsfähiger Computer in der Grösse einer Armbanduhr möglich.

Smartwatches in allen Preislagen schiessen inzwischen wie Pilze aus dem Boden. Sie kombinieren etwa die Funktionen von Fitnessarmbändern mit der klassischen Zeitangabe. Selbstredend setzt auch der Siegeszug der Mobiltelefone der Armbanduhr kräftig zu – vor allem den günstigen Modellen wie die Swatch. Diese versprechen ihren Trägern im Gegenzug zu den teuren Luxusuhren keinen Prestigegewinn.

Viele Swatch Stores werden geschlossen

Die digitale Revolution verändert auch den Handel. Das zeigt sich mit aller Deutlichkeit auch in den soeben veröffentlichten Swatch-Zahlen. Der Konzern hat im zurückliegenden Jahr 384 Geschäfte geschlossen. Gemäss der Information von Finanzanalyst Weber zählte das eigene Ladennetz des Konzerns Ende 2019 noch rund 1800 Geschäfte. Weber schätzt, dass etwa ein Drittel dieser Läden spezifisch auf die Marke Swatch zugeschnitten waren.

About Karl Heinz Nuber

Nuber ist langjähriger unabhängiger Uhren Journalist und begann seine Karriere in den frühen 80er Jahren. Durch das Sammeln kam er zum Schreiben. Er ist Gründer des vierteljährlich regelmässig bilingual – Deutsch und English - erscheinenden TOURBILLON Magazin’s, dem TOURBILLON Blog TICK-Talk, der Ausstellungs- und Event Plattform Art of TOURBILLON und TOURBILLON TV. Er tritt regelmässig als Kenner der Branche in Erscheinung.

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