Donnerstag , 22 April 2021
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Gianni Agnelli und Ferrari. Die Eleganz der Legende

Die neue Ausstellung im Museo Enzo Ferrari in Modena versammelt die Unikate, die Ferrari für Gianni Agnelli gebaut und in enger Zusammenarbeit mit ihm akribisch personalisiert hat. Diese einzigartige Sammlung ist ein Zeugnis der symbiotischen Beziehung, die sich zwischen zwei der charismatischsten und einflussreichsten Persönlichkeiten des 20. Jahrhunderts entwickelt hat und über 50 Jahre andauerte. 

„Gianni Agnelli und Ferrari. Die Eleganz der Legende“ ist eine Hommage der Marke aus Maranello an eines ihrer größten Zugpferde, zunächst als treuer Kunde und später als enger Vertrauter und Partner, zu seinem 100. Geburtstag am 12. März. Die offizielle Online-Eröffnung der Ausstellung findet an diesem Tag auf den Social-Media-Kanälen und der Website des Ferrari Museums statt. Während wir darauf warten, dass wir die Ausstellungshallen des MEF wieder für die Öffentlichkeit öffnen dürfen, werden wir bis zum 1. April täglich zwei kostenlose virtuelle Live-Führungen von etwa 30 Minuten Dauer organisieren. Diese können ab 12. März auf der Website des Museums (Ferrari.com/it-IT/museums) gebucht werden.

Gianni Agnelli war von klein an ein Liebhaber des Cavallino Rampante und stets höflich und respektvoll bei seinen Vorschlägen für stark personalisierte Sonderausführungen bestimmter Modelle. Enzo Ferrari seinerseits war sich bewusst, dass der Einfluss, der ästhetische Geschmack und die Persönlichkeit eines Kunden, der sowohl dem Werk sehr nahe stand als auch mit der Arbeit an exklusiven Projekten vertraut war, zu erfolgreichen und weitsichtigen Entscheidungen führen konnte. Die enge Beziehung des Duos brachte eine Kollektion von unvergleichlich schönen und verführerischen Autos hervor, die Gianni Agnelli mit konsequentem Understatement fuhr.

Ein solches Auto wie der im wahrsten Sinne des Wortes elegante Ferrari 166 MM. Agnelli war auf dem Turiner Autosalon 1948 so begeistert davon, dass er für seine schnittigen Linien einen ganz neuen Begriff prägte. Das Wort „Barchetta“ (kleines Boot) wird seither in der Branche für offene Rennwagen verwendet. Der 166 MM war das erste Einzelstück von Ferrari für den Avvocato (Anwalt), wie Agnelli liebevoll genannt wurde. 

Das nächste Auto, das auf die Persönlichkeit dieses ganz besonderen Kunden zugeschnitten wurde, war der 1952er Ferrari 212 Inter, der raffinierte Details und Styling-Elemente erhielt, die einen ganz neuen Trend setzten. Zwei Töne des „Familien“-Blau 456 wurden mit einem magnolienweißen Dach kombiniert, während zwei imposante Scheinwerfer für unvermindertes Fahrvergnügen bei nächtlichen Fahrten mit hoher Geschwindigkeitsfahrten sorgen sollten. 

Weiter geht es in der Ausstellung mit dem umwerfenden, zeitlosen 375 America, einem Coupé, das Ferrari 1955 dank seiner symbiotischen kreativen Beziehung mit Battista „Pinin“ Farina baute. Der Avvocato war sofort begeistert und versah seinen Wagen mit einer einzigartigen, raffinierten Innenausstattung, darunter eine wunderschön gearbeitete Uhr in der Mitte des Tunnels.  

Die inzwischen gut etablierte Beziehung zwischen Agnelli und Enzo Ferrari brachte 1959 mit dem Ferrari 400 Superamerica ein weiteres Meisterwerk hervor. Dieses von Pininfarina gestaltete und ausgestattete Einzelstück, das auf dem MEF zu sehen ist, eröffnete ein völlig neues Kapitel im Ferrari GT-Design. 

Ein weiteres Ausstellungstück ist der 365 P Speciale von 1966 mit seiner von der Rennwelt geprägten Linienführung. Pininfarina interpretierte dieses Auto brillant in zwei dreisitzigen Prototypen mit zentralem Fahrersitz.  Die von Gianni Agnelli in Auftrag gegebene Version zeichnet sich aus durch eine einmalig elegante Silber-Lackierung mit einem schmalen Streifen schwarzer Zierleisten entlang der Gürtellinie. 

1984 enthüllte Ferrari den legendären Testarossa, ein Auto, für das keine offene Version geplant war. Doch zwei Jahre später gab der Avvocato bei Pininfarina eine Spider-Version des berühmten Modells in Auftrag, mit einigen höchst raffinierten Details, etwa ein neu gestalteter Motordeckel und die für ihn typischen Lackfarben: Magnolienweiß für das Verdeck, Nürburgringgrau für die Karosserie und Marineblau für die Kabine.

Eine weitere bahnbrechende Ikone, die in Gianni Agnellis Sammlung nicht fehlen durfte, war der Ferrari F40. Der Avvocato bestellte 1989 eine Sonderversion mit ungewöhnlichen schwarzen Stoffsitzbezügen und einer elektronischen Kupplung von Valeo. 

Im Jahr 2000 beauftragte Agnelli Pininfarina erneut mit einer extremen Einzelanfertigung: einer Barchetta, diesmal mit dem 360 Spider als Ausgangsmodell. Das in Silbergrau und eleganten Blautönen gehaltene Fahrzeug war ein Hochzeitsgeschenk für Luca di Montezemolo, den damaligen Präsident von Ferrari.

Den Abschluss der Ausstellung bildet das Formel-1-Auto von 2003, der Höhepunkt einer außergewöhnlichen technologischen und rennsportlichen Reise. Die Scuderia stellte es am 7. Februar 2003 vor und widmete es Gianni Agnelli, der am 24. Januar verstorben war. Dies war eine von Herzen kommende Geste der gesamten Ferrari Gemeinschaft zum Gedenken an einen unvergesslichen Partner, Kunden und einen raffinierten, diskreten und entscheidenden Begleiter auf der langen Reise von Ferrari.

Ferrari Präsident John Elkann erklärte: „Die Ausstellung erzählt von einer außergewöhnlichen Begegnung. Sie verbindet die Begeisterung, die die schönsten Autos der Welt bei Menschen hervorrufen, die das Fahren lieben, und den enormen Respekt und die echte Leidenschaft, die mein Großvater für die Autos aus Maranello empfand. Eine Leidenschaft, die ihn dazu veranlasste, jeden Ferrari, den er besaß, zu etwas Besonderem zu machen, und die wir gerne mit allen Enthusiasten teilen möchten.“ 

Vizepräsident Piero Ferrari erinnert an den gegenseitigen Respekt und die Wertschätzung der beiden großen Unternehmer füreinander: „Mein Vater war beeindruckt von der Power, dem Scharfsinn und den Fähigkeiten des Avvocato im Geschäftsleben. Sie verstanden sich intuitiv, und diese Beziehung festigte sich im Laufe der Jahre, bis sie in der Vereinbarung von 1969 gipfelte, die eine der stärksten Partnerschaften in der Automobilwelt schuf. Ich war an diesem historischen Tag mit meinem Vater zusammen und hatte das Vergnügen, Agnelli zu treffen. Von da an, mit FIAT an der Seite, hatten wir das Gefühl, dass unser Unternehmen eine Garantie für Kontinuität und Entwicklung gewonnen hatte.“

About Karl Heinz Nuber

Nuber ist langjähriger unabhängiger Uhren Journalist und begann seine Karriere in den frühen 80er Jahren. Durch das Sammeln kam er zum Schreiben. Er ist Gründer des vierteljährlich regelmässig bilingual – Deutsch und English - erscheinenden TOURBILLON Magazin’s, dem TOURBILLON Blog TICK-Talk, der Ausstellungs- und Event Plattform Art of TOURBILLON und TOURBILLON TV. Er tritt regelmässig als Kenner der Branche in Erscheinung.

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