Samstag , 28 Januar 2023
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CEO Julien Tornare will mit Zenith in eine neue Liga aufzusteigen

Im Interview mit WATCH PRO spricht der seit 2017 amtierende Zenith CEO – ein Jean-Claude Biver Zögling – über die zurückliegende Pandemiezeit und sein Ziel, Zenith nach der Krise noch mehr Aufwind zu verleihen. Auch der damalige CEO Thierry Nataf – ich erinnere mich gut an den “Schaumschläger” als ob es gestern gewesen wäre – wollte für Zenith die Sterne vom Firmament holen, Nataf’s Stern wurde jedoch im Mai 2009 von LVMH der Glanz genommen, er wurde über Nacht abgesetzt. Parallelen von zwei Selbstdarstellern, die bei mir ein Déjà-vu Erlebnis auslösen.

Interessante Produktideen, eine zeitgemässe Marketingstrategie, kreative Öffentlichkeitsarbeit und eine beispielgebende Qualitätsoffensive haben aus dem einstigen Mauerblümchen Zenith, dessen kostbarstes Gut bisher der 1969 lancierte El Primero-Chronograph war, einen Stern gemacht, der am Uhrenhimmel unaufhaltsam nach oben steigt. Nicht ohne Grund: Schliesslich trägt die 1865 vom damals 22-jährigen Georges Favre-Jacot gegründete Manufaktur der Haute Horlogerie einen Stern im Firmenlogo.

Dann kam der Glücksmonat Oktober des Jahres 1999, der die Übernahme durch die börsenkotierte, französische Gruppe Louis Vuitton Moët Hennessy (LVHM) zu einem Schnäppchenpreis von schätzungsweise 75 Mio Fr. brachte und ab dem 11. Juni 2001 den studierten Telekom- sowie MBA-Ingenieur Thierry Nataf als neuen Chef. Der konstatierte spontan ein gerüttelt Mass an Sanierungs-, Erweiterungs- und Innovationsbedarf. Seiner Meinung nach wurde Zenith übrigens nicht gekauft, sondern als höchst willkommenes Mitglied in die Gruppe «aufgenommen». In Natafs blumiger Sprache heisst das dann so: «Zenith joined LVMH».

Für den dynamischen LVMH-Statthalter, den ehemaligen Vizepräsidenten des Champagnerhauses Veuve Clicquot Ponsardin (gehört ebenfalls zu LVMH), war Zenith von Anbeginn wie ein Diamant. Nataf: «Ein Rohdiamant, um es ganz genau zu sagen. Einer, der noch einen Schliff benötigt, um zum Brillanten zu werden.» Dabei spielte der prestigeträchtige Manufakturcharakter natürlich eine entscheidende Rolle.

Zum Geist einer richtigen Manufaktur gehört nach Auffassung Natafs «nicht Masse, sondern das Bestreben, die perfekte Uhr herzustellen». Deshalb schweigt sich der ausgesprochen polyglotte Franzose, der sich in nicht weniger als acht Sprachen ausdrücken kann, über Stückzahlvorgaben und Umsatzerwartungen beharrlich aus. Ebenso über den interessanten Aspekt, ob, wann und in welcher Grössenordnung die Zahl jener schätzungsweise 66000 Zeitmesser überschritten werden soll, welche Zenith vor dem LVMH-Engagement produzierte. Gegenwärtig fertigt Zenith jährlich 36000 El-Primero-Exemplare mit den Bezeichnungen 4xxx und dazu die Automatik-Familie Elite 6xx.

Ungeachtet dessen wollte und will der 40-Jährige mit seiner gründlich restrukturierten und deutlich aufgewerteten Kollektion unter anderem Emotionen hervorrufen. «Uns geht es gegenwärtig in erster Linie um eine hohe Qualität, innen wie aussen, sowie Authentizität. Letztlich möchten wir unter Einbeziehung eines hohen Anteils an Handarbeit durchweg einmalige Stücke schaffen, Uhren zum Weitergeben an die Kinder und Enkel», setzt der Chef der Manufaktur in Le Locle die mittelfristigen Ziele.

Einher ging mit dieser Forderung die Anpassung der Preise. Der Durchschnitts-Verkaufspreis dürfte heute nahe bei 10000 Fr. liegen; bei Natafs Amtsantritt war er um die 7000-Fr.-Marke gependelt.

Thierry Nataf nutzt das Erbe der Vorfahren geschickt als Plattform für seine ambitionierte Zukunftsstrategie, in der Frauen eine immer grössere Rolle spielen. Hohe emotionale Anmutung und Produkte mit absolut femininem Anspruch haben den Umsatzanteil bei Damenuhren auf heute stolze 35% klettern lassen. «Als ich bei Zenith eintrat, lag der Anteil bei nahezu null.» Der smarte Manager nimmt die ewige Weiblichkeit in der Tat sehr ernst. Seiner Auffassung nach geht es nicht an, Frauen mit Quarzuhren abzuspeisen, deren Gehäuse und Bänder mit Edelsteinen besetzt sind: «Das ist mir zu wenig. Es gibt genug Frauen, die nach echter Uhrmacherei verlangen.»

Nataf leitete seit 2001 den Uhrenhersteller, der sich in dieser Zeit zu einer luxuriösen Lifestyle-Marke mit zum Teil sehr extravaganten Modellen wandelte. Als der schillernde Zenith-Chef Thierry Nataf im Frühjahr 2009 seinen Hut nehmen musste, – er katapultierte die Marke Zenith in die glamouröse LVM Welt – hatte die Uhrenmarke ernste Probleme: Die Uhren galten als überteuert, das Design als übertrieben. Viele dachten, Zenith hätte sich seine eigene Zukunft verbaut. Keine leichte Aufgabe für Natafs Nachfolger Jean-Frédéric Dufour, der zuvor für Chopard, die Swatch Group und Ulysse Nardin arbeitete. Ein Dreivierteljahr nach Dufours Amtsantritt, auf der Baselworld 2010, rieben sich die Messebesucher verwundert die Augen: Die neuen Uhren, vor allem aber deren erstaunlich moderate Preise bedeuteten eine Umkehr vom Nataf-Kurs um 180 Grad.

Nachdem im April 2014 bekannt wurde, dass Jean-Frédéric Dufour Zenith verlässt und neuer CEO von Rolex wird, gab der Uhrenchef der LVMH-Gruppe, Jean-Claude Biver, nun den Namen des neuen Zenith-Geschäftsführers bekannt. Der Schweizer Aldo Magada übernimmt ab dem 01. Juli 2014 die Funktion als neuer Präsident und CEO der Schweizer Manufaktur. Seit 1984 ist Magada in der Uhrenbranche tätig. Er war unter anderem Produktionsleiter bei Piaget und Marketingchef bei Omega. Im Jahr 2000 benannte Gucci ihn zum Präsidenten der Gucci Timepieces.

Relativ kurz war das Gastspiel von Aldo Magada als CEO und Präsident von Zenith. Er verließ die LVMH-Marke mit Ende 2016. Interimistisch übernimmt Jean-Claude Biver die Geschäftsleitung. Biver, der mit turn-arounds lange Erfahrungen hatte, krempelt Zenith um und setzt ein neues Management ein.

Seit 2017 steht Julien Tornare an der Spitze der Schweizer Uhrenmanufaktur und hat sie neu aufgestellt. Sein Konzept fusst auf einer modernen Interpretation historischer Referenzen, mit der „Defy“ und der „Chronomaster“ im Zentrum.

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About Karl Heinz Nuber

Nuber ist langjähriger unabhängiger Uhren Journalist und begann seine Karriere in den frühen 80er Jahren. Durch das Sammeln kam er zum Schreiben. Er ist Gründer des vierteljährlich regelmässig bilingual – Deutsch und English - erscheinenden TOURBILLON Magazin’s, dem TOURBILLON Blog TICK-Talk, der Ausstellungs- und Event Plattform Art of TOURBILLON und TOURBILLON TV. Er tritt regelmässig als Kenner der Branche in Erscheinung.

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2 comments

  1. Der Reparaturservice bei Zenith muss man hinterfragen. Er ist bei weitem nicht so kundenfreundlich wie im Leitbild beschrieben. Die Reparatur/Service-Arbeit kann ich nicht beurteilen, aber die Abwicklung des Serviceauftrags entspricht nicht dem, was erwartet werden darf bei einer Uhr in dieser Preisklasse.
    Auch in Anbetracht der Servicekosten ist noch einiges zu klären bei der Kommunikation mit dem Kunden.
    Gerne würde ich dieses dem CEO persönlich mitteilen, eine e-Mail-Adresse um dies zu tun, lässt sich aber nicht auffinden.

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