Freitag , 9 Dezember 2022
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Die neue Patek Philippe Natutilus Ref. 5811/1G in Weissgold

Patek’s Ikone wird erneut aufgelegt

Mit der Lancierung der Weissgoldversion Nautilus Ref. 5811/1G ist Patek Philippe wiederum ein grosser Coup gelungen, jedoch wird die Nachfolgerin der begehrten Stahlversion Ref. 5711 in “homöopathischen Dosen” angeboten. Kaum im Markt ist dieses Modell schon zum Spekulationsobjekt geworden.

Die siebziger Jahre waren eine Ära der großen Umbrüche, aber auch innerer Widersprüche. Der erste Überschallflug ging einher mit der ersten Ölkrise. Die aufkommende Quarzkrise mit Billiguhren aus Fernost machte den Schweizer Uhrenherstellern zu schaffen. Dies ist die Geschichte davon, wie aus einer visionären Idee des Jetset-Zeitalters eine Uhrenikone des 20. Jahrhunderts wurde.

ZWEI GENIES UND VIEL ARBEIT

Gerald Genta, der Designer der Nautilus

Um ein ikonisches Produkt zu schaffen, braucht man nicht nur einen Menschen mit einer genialen Idee, sondern auch den richtigen Partner, der in der Lage ist, diese umzusetzen. Eine Idee gegen anfängliche Widerstände durchzusetzen, ohne dabei den ursprünglichen Charakter zu verwässern, schaffen nur sehr wenige. Das trifft auf die Nautilus von Patek Philippe ganz besonders zu. Als der Designer Gérald Genta Anfang der siebziger Jahre an den Sohn des damaligen Firmenpräsidenten, Philippe Stern, herantrat, um ihm ein seiner Meinung nach bahnbrechendes neues Uhrendesign vorzustellen, war der eher skeptisch. Der junge Manager war zwar schon weit gereist und hatte in den Vereinigten Staaten seine erste internationale Erfahrung gesammelt, aber war die Welt wirklich bereit für ein ebenso radikales wie modernes Uhrendesign?

EINE WEGWEISENDE LÖSUNG

Erste Sketches der Uhr

Gérald Genta schlug dem aufstrebenden Firmenerben eine Uhr vor, die es so noch nicht gegeben hatte in der 137-jährigen Geschichte des Unternehmens. Und das sollte was heißen bei einer Firma, deren Maxime seit Firmengründung im Jahr 1839 immer gelautet hatte, die besten Uhren der Welt zu bauen. Er schlug eine bis 120 Meter wasserdichte Stahluhr vor, inspiriert von den Bullaugen in Booten, gehalten von einem Gliederband aus Stahl mit ins Gehäuse integrierten Bandanstößen. Das Ganze sollte auch noch mit einem mechanischen Werk ausgerüstet sein. Zudem war das Gehäuse für damalige Verhältnisse mit seinem 42-Millimeter-Durchmesser riesig.

Philippe Stern zweifelte: „Anfangs war ich mir nicht so sicher.“ Die Uhr ging eindeutig gegen die damalige Strategie seines Hauses, kleine Uhren zu bauen. Die Nautilus war anders und mutig. Stern: „Sie war für jüngere Kunden, die viel reisten und gerne Sport trieben.“ Stern selbst war begeisterter Skifahrer und Segler, der auf dem Genfer See viele Regatten gewonnen hatte. Und er war in jungen Jahren schon sehr viel gereist und erkannte die Bedürfnisse einer neuen Generation. Er ließ sich von der Idee anstecken: „Wir entschieden uns für die Fertigung eines Prototyps. Erst dann fiel die endgültige Entscheidung, diese Uhr auch wirklich zu bauen.“ So wurde die Nautilus geboren.

Philippe Stern, der Senior übergab die Geschäftsleitung seinem Sohn Thierry

DIE GEFRAGTESTE UHR ALLER ZEITEN

Im Laufe der Jahrzehnte – 1976 wurde die Nautilus auf den Markt gebracht – entwickelte sich die NAUTILUS zu einem Must Have, zur begehrtesten Uhr weltweit. Grund für diesen Nautilus Hype, war die gering produzierte Stückzahl, die selective Distribution im Handel und das magische Blau des Zifferblatts..

Wie Firmenchef Thierry Stern verriet, seien die “vergleichsweise geringen Margen, die sich durch den Verkauf von Stahluhren ergeben”, der Grund für die Einstellung der 5711. Die 2.400 Mitarbeiter der Patek-Phillipe-Manufaktur könnten “niemals überleben”, sofern man vollständig auf Stahl setzen würde, so Stern. Und da man die Preise nicht auf das Level der aktuellen Marktpreise erhöhen wolle – auch wenn man die Nautilus sicherlich für das Doppelte verkaufen könnte –, habe man sich dafür entschieden, die Stahl-Version nicht mehr herzustellen.

Thierry Stern revedierte sehr rasch seine Entscheidung die Ref. 5711 einzustellen

Stern hatte jedoch nicht mit dem Druck der weltweiten Patek Philippe Community gerechnet, es blieb beim Lippenbekenntnis. Nach der Corona Pandemie wurde die Nautilus in Stahl mit grünem Zifferblatt lanciert und war sofort ausverkauft.

 Sollte die letzte stählerne Nautilus sein Ref. 5711 A 014

Kurze Zeit später wurde anlässlich der 170-jährigen Partnerschaft mit Tiffany & Co (heute LVMH) eine Stahl Nautilus mit dem bekannten Tiffany Türkis Zifferblatt in einer Auflage von 170 limitierten Uhren erhältlich in der Tiffany Boutique am Rodeo Drive für xxxxxxxxx lanciert. Nur wer gute Beziehungen zur Familie Bernard Arnault (LVMH Eigner) hatte kam in den Besitze dieses Talking Piece.

Patek Philippe X Tiffany & Co. bringen zusammen die allerletzte Nautilus 5711 als Limited Edition heraus – und das erste Modell kam für 6,5 Millionen US-Dollar unter den Hammer

Das Mysterium der Patek Philippe Nautilus 5711 wird mit dem diesjährigen Launch ihrer Nachfolgerin – der 5811/1G-001 – noch weiter ausgebaut. Optisch fast identisch, ist die neue Version ein fein-nuanciertes Update des Originals aus Stahl, das die Schweizer Uhrenmanufaktur eingestellt und somit für eine enorme Preissteigerung bei dem Modell gesorgt hatte. Doch auch die Markteinführung der neuen 5811 Nautilus scheint das Ende der Spekulationen noch nicht herbeizuführen.

NEUAUFLAGE DER PATEK PHILIPPE NAUTILUS

Wenn auch kaum erkennbar, hat Patek Philippe der 5811/1G-001 ein um ein Millimeter größeres Gehäuse verpasst. Hinzu kommt eine neue, um vier Millimeter verlängerbare, Faltschließe, die dem Träger vor allem bei größeren Temperaturunterschieden Erleichterung verschaffen dürfte.

Die neulancierte Patek Philippe Nautilus Ref. 58111G

Die wenigen Menschen, die eine 5711 zum direkten Vergleich zur Hand haben, werden bei der neuen Version auch einen satteren Blauton auf dem Zifferblatt mit Sonnenschliff erkennen, der in einem schwarzen Verlauf am Rand gipfelt. Die 5811/1G-001 kehrt außerdem zu den Wurzeln der allerersten Nautilus von 1976 und ihrem zweiteiligen Gehäuse zurück und verzichtet auf die dreiteilige Bauweise. Doch, was sie wirklich von der legendären Stahl-Nautilus 5711 abhebt, ist ihr Material Weißgold. Das Datumsfenster ist dabei nun ebenfalls in Weißgold eingefasst, um zum Äußeren zu passen. Die Uhr wird von Patek Philippes mechanischem Uhrwerk mit automatischem Aufzug (26-330 S C) angetrieben und ist bis zu 120 Meter wasserdicht.

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About Karl Heinz Nuber

Nuber ist langjähriger unabhängiger Uhren Journalist und begann seine Karriere in den frühen 80er Jahren. Durch das Sammeln kam er zum Schreiben. Er ist Gründer des vierteljährlich regelmässig bilingual – Deutsch und English - erscheinenden TOURBILLON Magazin’s, dem TOURBILLON Blog TICK-Talk, der Ausstellungs- und Event Plattform Art of TOURBILLON und TOURBILLON TV. Er tritt regelmässig als Kenner der Branche in Erscheinung.

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