Montag , 30 Januar 2023
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Rolex revolutioniert den “Certified Pre-Owned Markt”

Nun haben sich die “rumours” von der Watches & Wonders 2022 bewahrheitet. Ab heute Donnerstag stellt Rolex auch für gebrauchte Uhren Echtheitsbescheinigungen und Garantien aus. Ihre Uhren zertifizieren lassen können allerdings nur Rolex-Fachhändler. Damit soll auch der Markt für gebrauchte Rolex Uhren in offizielle Bahnen gelenkt werden.

Der Pilotversuch wird in 6 Ländern mit Bucherer AG durchgeführt, einem der größten Rolex-Einzelhändler der Welt. Sobald die Uhr authentifiziert ist (mindestens drei Jahre alt), erhält sie ein neues 2-Jahres-Garantiezertifikat, das dem Endkunden mehr Sicherheit und Vertrauen bietet. Ein sehr wichtiger Aspekt des Verfahrens ist, dass es Sache des Einzelhändlers sein wird, den Wiederverkaufspreis für gebrauchte Uhren festzulegen. Die Marke wird – um Interessenkonflikte zu vermeiden – nicht in den Prozess der Preisbestimmung oder eines offiziellen Wiederverkaufsratings für den Sekundärmarkt eingreifen.

Auch wenn Rolex nicht die erste Marke ist, die eine solche Initiative lanciert – OMEGA SA vor drei Jahren –, wird ihr Gewicht als führende Uhrenmarke (CHF 8 Milliarden Umsatz im Jahr 2021 nach Schätzungen von Morgan Stanley und Luxeconsult Sàrl ) ein sehr starkes Signal an andere Marken senden. Der Sekundäruhrenmarkt macht rund 50% des neuen Uhrenmarktes der Schweizer Uhrenindustrie aus (CHF 43 Milliarden im Jahr 2021), wächst aber mit einer viel höheren Geschwindigkeit, was ihn zu einer grossen Herausforderung für die Branche macht.

Ich bin seit über 47 Jahren mit der Uhrenindustrie verheiratet und werde das Gefühl nicht los, Rolex-Uhren werden zur Zeit gebunkert wie Klopapier in der Corona-Krise. Die Graumarktpreise für Rolex sind zur Zeit exorbitant hoch – der Kauf einer Rolex ist in dem Sinne quasi ein No-Brainer. «Das Einschreiben in das Gegenteil, gewiefte Rolex-Fachhändler versuchen die Rolex «must have» der potentiellen Rolex-Kunden auf andere sehr gut verfügbare Marken wie zum Beispiel Breitling umzuleiten.

In Zeiten, in denen Banken mit Negativzinsen drohen, sehen viele offenbar Rolex-Uhren als attraktive Wertanlage bzw. satte Rendite versprechende Investition. Ich habe mich lange Zeit mit diesem Thema beschäftigt. Uhren sind grundsätzlich keineswegs eine so einfache oder sichere Wertanlage wie viele Online-Shops und regelmässig alle Uhrenfachzeitschriften das ihren potentiellen Kunden in «redaktionellen» Beiträgen (gekaufte redaktionelle Beiträge die von der Uhrenindustrie als «Markenpflege» abgeschrieben werden) gerne vermitteln wollen (“Augen auf beim Uhrenkauf”, etc.).

Dabei wird meistens immer wieder das gleiche, allgemeine Blabla wiedergekäut, mit dem man problemlos Bullshit-Bingo spielen kann – hier ein paar Original-Zitate:

  • Kaufen Sie beliebte Marken!
  • Kaufen Sie echte Klassiker!
  • Kaufen Sie limitierte Auflagen!
  • Kauft mechanische Modelle!
  • Mit Rolex macht man nichts falsch!
  • Kaufen Sie Modelle mit vielen Komplikationen wie z.B. Mondphase!
  • Investieren Sie in James Bonds Lieblingsuhr!

    … blablabla.

Man sollte aber stets genau auf die Quelle und vor allem die Autoren von solchen „Tipps“ schauen. Denn: Viele Artikel, die Uhren als Wertanlage anpreisen und mit Lobhuldigungen überschütten, stammen von Shopping-Plattformen, Händlern, Uhrenfachmagazinen und bekannten «gekauften» Uhrenjournalisten, die «hochgradig tendenziös» Artikel weltweit platzieren. Man spricht hier auch von „Corporate Blogs“, also redaktionellen Inhalten, die allerdings sehr häufig einseitig sind, da die Händler und Uhrenjournalisten natürlich mit ihren «Empfehlungen» insbesondere ihren eigenen Umsatz im Sinn haben.

Faktoren – wie signifikante Modellverbesserungen (zum Beispiel Keramiklünette und Glidelock-Schließe bei der Rolex Submariner) – Kosten für Revisionen abgelaufene Herstellergarantien Reduzierung (!) von Listenpreisen wie beispielsweise bei IWC – oder allgemeine Marktveränderungen (z.B. Online-Rabatte bei Grauhändlern wie Chronext) – können die vermeintlich todsichere Verzinsung einer Uhr ganz schön drücken und den Spaß an einer „Investition“ schnell verderben. Und das ist auch heute noch grundsätzlich so bei Marken wie Omega, Breitling, TAG Heuer oder IWC.

Nachfrage und Angebot. Rolex wird sicherlich nicht die Produktionskapazitäten massiv erweitern: Die künstliche Verknappung von Luxusgütern ist ein probates Mittel, um die Begehrlichkeiten hoch zu halten

Eines müssen Sie wissen, liebe Leserinnen und Leser: Rolex distribuiert nicht die Uhren, sie verteilt die Uhren. Aufgrund der geringen Menge im Sportuhren Stahl Segment bleibt auch dem Rolex-Fachhändler die Uhren nur an gute umsatzstarke Kunden – VIP-Kunden – zu «verteilen».

Danach sind die Rolex-Kunden immer stärker auf gebraucht Rolex Uhren ausgewichen. Mit der heutigen Einführung des Rolex CPO Programms kontrolliert auch den Markt der gebrauchten Rolex-Uhren.

Mehr dazu demnächst auf diesem Channel

About Karl Heinz Nuber

Nuber ist langjähriger unabhängiger Uhren Journalist und begann seine Karriere in den frühen 80er Jahren. Durch das Sammeln kam er zum Schreiben. Er ist Gründer des vierteljährlich regelmässig bilingual – Deutsch und English - erscheinenden TOURBILLON Magazin’s, dem TOURBILLON Blog TICK-Talk, der Ausstellungs- und Event Plattform Art of TOURBILLON und TOURBILLON TV. Er tritt regelmässig als Kenner der Branche in Erscheinung.

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