Montag , 30 Januar 2023
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Ford Explorer Hybrid PHEV Platinum Edition: Ein «XXXL-SUV» das auch mit Strom kann

Der Ford Explorer gibt auf Landstraßen und Autobahnen «Gummi»  – eben dort, wo es viel Platz hat und wo Sie mit einer halben Fußballmannschaft von A nach B reisen wollen. In der Stadt hingegen auf Parkplatzsuche fühlt er sich aufgrund imposanten Erscheinung überhaupt nicht wohl. Dabei bietet das Dickschiff tatsächlich auch das rein elektrische Fahren an und soll im Hybrid-Modus nur 3 Liter auf 100 Kilometer verbrauchen. Das wollen wir nachprüfen.

Imposante Erscheinung: fünf Meter Länge und drei Meter Breite

Der Ford Explorer Plug-In-Hybrid ist sicherlich nicht das Fahrzeug, das man sich unter einem 3-Liter-Auto mit Hybrid-Antrieb vorstellt. Der Explorer läuft im Ford-Werk in Chicago vom Band und das sieht man ihm an:  Mit seinen kolossalen Maßen von fünf Metern Länge, über zwei Metern Breite und der Höhe von fast 1,80 Metern passt der Explorer kaum auf einen deutschen Parkplatz. Das Leergewicht beträgt knapp zweieinhalb Tonnen.

Der SUV brilliert durch 20 Zoll Alufelgen

Dazu gibt’s klare Kanten und einen fetten Grill mit riesigen LED-Scheinwerfern an der Front sowie schwarze Plastik-Beplankung und mächtige 20-Zoll-Alu-Felgen.

Geräumiger Innenraum, Platz ohne Ende ….

Die Anhängerkupplung kann bis zu zweieinhalb gebremste Tonnen Last ziehen, und auch Dachträger sind Serie. Leider ist die Dachlast mit 35 Kilo gerade für einen zusätzlichen Dachkoffer ausreichend. Für Dachzelt-Abenteurer reicht das nicht. Dafür trägt die Stützlast der Anhängerkupplung bis zu 100 Kilo: Das reicht auch für die schwersten E-Bikes, sofern Sie einen entsprechenden Träger haben, der dieses Gewicht packt.

Im Innenraum finden bis zu sieben (!) Personen Platz, mindestens vier von ihnen so komfortabel wie einer Oberklasse-Limousine. Für vier gibt’s Sitzheizung, für die vorderen zwei Sitzplätze zusätzlich Sitzlüftung und eine Massagefunktion, die sogar den Hintern bearbeitet.

Die zwei hinteren Sitzreihen lassen sich zu einer ebenen Fläche umklappen und machen im Fond des Explorers gigantische 2274 Liter Kofferraumvolumen frei. Weitere 123 Liter nehmen im Explorer-Innenraum die zahlreichen Stau- und Ablagefächer auf. So stehen den sieben Passagieren zum Beispiel nicht weniger als 12 Becherhalter zur Verfügung. Ein Highlight ist das gigantische Sonnendach mit schwarzer Stoffblende und die Sonnenschutz-Blenden an den Fenstern der Rückseite. Passagiere reisen so abgeschirmt wie Hollywood-Stars. Smartphone-Nutzer freuen sich über den WLAN-Hotspot und die USB-Lader für die Rückbank.

Die Verarbeitung und Materialanmutung ist in der Platinum-Edition auf das amerikanische Verständnis von Luxus angepasst: Leder- und Holzoptik im Sichtfeld, doch Hartplastik und wenig elegante Verblendungen an Stellen, auf die erst der zweite Blick fällt. Auch die Haltbarkeit ist fragwürdig. Der Innenraum des geschniegelten Testwagens zeigt schon erste Ermüdungserscheinungen an den Sitzen.

Bedienungsleichtes Infotainment & praktische Fahrassistenz

Das 10-Zoll-Infotainmentscreens in Tablet-Optik passt nicht zum Luxus-Anspruch des Explorers. Dafür funktioniert es in der Praxis per Smartphone-Anbindung über Apple-Carplay und Android Auto flüssig, intuitiv und zuverlässig. Navigationshinweise von Google Maps kann der Explorer auch im Zentraldisplay anzeigen. Ein Head-Up-Display fehlt dem Explorer leider.

Dafür funktionieren die Assistenzsysteme des Explorers unterm Strich sehr gut und müssen den Vergleich mit denen der deutschen Premium-Herstellern nicht scheuen. Der Parkassistent funktioniert in vielen Alltagssituationen gut und hilft, den wenig übersichtlichen Fünf-Meter-Koloss sicher und vor allem fix zu parken. Auch der Toter-Winkel-Assistent mit Querverkehrswarner erleichtert das Ausparken. Das System warnt vor Fahrzeugen, die sich dem Heck des Explorers seitlich nähern, und aktiviert zur Vermeidung einer Kollision notfalls auch die Bremse. Beim rückwärts Rangieren in der Stadt ist das ein nützliches Feature.

Die Fahrassistenzen wie Fahrspur-Pilot, Stau-Assistent mit Stop-and-Go-Funktion und intelligente Geschwindigkeitsregelanlage mit Verkehrsschild-Erkennung sind ausgereift und funktionieren im Alltag gut. Dabei registriert die Frontkamera entsprechende Verkehrszeichen entlang der Straße und an Schilderbrücken, greift aber auch auf Informationen des Navigationssystems zurück.

Unbegrenzter Fahrkomfort und mangelnde Reichweite

Der Ford Explorer leistet satte 450 PS bei bärenstarken 840 NM Drehmoment. Der Plug-In-Hybrid-Antrieb besteht aus einem großen Drei-Liter-Sechszylinder-Benziner und einem Elektroantrieb mit 100 PS, die einen elektrischen Allradantrieb ermöglichen. Im normalen Fahrbetrieb schiebt der Explorer nur über die Hinterräder. Nur bei Bedarf wird die Motorkraft automatisch auch auf die Vorderräder verteilt.

Der Antritt des Hybrid-Koloss ist dank Elektro-Rückenwind gigantisch, bei niedrigen Geschwindigkeiten gleitet der Explorer still und rein elektrisch durch Stadt und Umland – angeblich bis zu 40 Kilometer weit. In unserem Test schaffte der große Explorer allerdings auch bei leichtem Gasfuß die Standard-Pendelstrecke nur bis zum 29. Streckenkilometer – dann musste der Benziner einspringen. Bei 230 km/h ist der Explorer abgeriegelt.

Der Normverbrauch des Ford Explorers liegt bei unter drei Litern. Bei entladenem Akku genehmigte sich das große Hybrid-SUV bei GPS-kalibriertem Tempo 130 allerdings 11,2 Liter Benzin pro 100 Kilometer.  Im Alltag lässt sich der entladene Explorer kaum mit unter 10 Litern bewegen.

Den Normverbrauch erreichen folglich nur Fahrer die den allergrößten Teil ihrer Fahrleistung innerhalb der bescheidenen elektrischen Reichweite absolvieren, denn Laden ist mit dem Explorer PHEV langwierig. An einer geeigneten Wallbox lädt der Ford Explorer seinen leeren Akku in rund dreieinhalb Stunden wieder voll. An der Haushaltssteckdose dauert das Vollladen rund sechs Stunden. Beide Ladeoptionen sind fürs Aufladen bei der Arbeit oder über Nacht gut geeignet, aber unterwegs nicht praktikabel. Seine eingeschränkte Elektromobilität ist ärgerlich, denn für deutsche Städte ist der Explorer eigentlich zu klobig und sein Langstreckenverbrauch weit über Norm.

SUMMARY_Luxuriöser SUV-Gigant mit viel Dampf, aber kaum praxistauglicher elektrischer Reichweite. Trotzdem löst der Explorer das Versprechen von großen SUVs ein: Er ist luxuriös wie eine Oberklasse-Limousine, praktisch wie ein Nutzfahrzeug, hat genügend Dampf für die Autobahn und kann auch mal ins Gelände. All das schafft der Explorer mit einem Einstiegspreis von rund 76.000 Euro – das ist wesentlich günstiger als Premium-Konkurrenten wie der Range Rover. Als Plug-In-Hybrid profitiert der Explorer dabei von Steuernachlässen wie dem halbierten Steuersatz für privatgenutzte Dienstwagen. Seine hohen Verbräuche weit über Norm und sein nur sehr eingeschränkt elektrische Reichweite zeigen aber auch, dass der Gesetzgeber bei der Besserstellung von Plug-In-Hybriden dringend nachschärfen muss.

About Karl Heinz Nuber

Nuber ist langjähriger unabhängiger Uhren Journalist und begann seine Karriere in den frühen 80er Jahren. Durch das Sammeln kam er zum Schreiben. Er ist Gründer des vierteljährlich regelmässig bilingual – Deutsch und English - erscheinenden TOURBILLON Magazin’s, dem TOURBILLON Blog TICK-Talk, der Ausstellungs- und Event Plattform Art of TOURBILLON und TOURBILLON TV. Er tritt regelmässig als Kenner der Branche in Erscheinung.

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