Sonntag , 14 April 2024
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Chronext stellt sich neu auf um profitabler zu werden

Philipp Man geht, Philippe Roten kommt. Das teilte der nun Ex-CEO gestern auf LinkeIn mit. Ganz verlässt er das Unternehmen aber nicht, sondern wechselt in den Verwaltungsrat.

Vor zehn Jahren hat Philippe Man gemeinsam mit Ludwig Wurlitzer das Start-up gegründet, das auf den An- und Verkauf von Pre-owned-Uhren spezialisiert ist. Auf Man folgt Philippe Roten, von dem Man sicher ist, dass er „Chronext auf das nächste Level bringen wird“.

Roten wurde im Frühjahr 2020 zum CEO von Favre-Leuba ernannt. Zuvor war er sechs Jahre als Country Manager bei der Swatch Group und sieben Jahre als Global Retail Director für Europa, den Nahen Osten, Indien und Afrika für Hublot sowie TAG Heuer zuständig. Außerdem hat er ein Jahr bei Bang & Olufsen als weltweiter Leiter für Vertrieb und Marketing gearbeitet.

Nach „zehn Jahren Achterbahnfahrt“ bedankt sich Philipp Man bei seinem Team: „Ich hatte das Privileg, bei dieser verrückten Fahrt mit so vielen unterschiedlichen und erstaunlichen Menschen zusammenzuarbeiten. Die Zeiten waren nicht immer einfach, aber ich möchte Ihnen allen aufrichtig für all die Momente danken, die wir zusammen hatten.“

Sein Dank gilt auch den Investoren, „die uns nicht nur finanziell, sondern auch mit Rat, hin und wieder einem aufmunternden Gespräch und vor allem mit mehr als nur einem Bier nach Vorstandssitzungen unterstützt haben. Ich bin dankbar für die Zeiten, in denen wir uns geeinigt haben, aber wahrscheinlich noch mehr für die Zeiten, in denen wir es nicht getan haben. Das hat uns wirklich dazu gebracht, besser zu werden.“

Und natürlich würdigt er seinen Mitbegründer Ludwig Wurlitzer, „eine Maschine von beispielloser Kraft (…) Es gibt keine Worte, um meine Dankbarkeit auszudrücken.“

Der Ausdruck Achterbahnfahrt trifft es sicher wie den Nagel auf den Kopf, und zwar nicht nur, wenn man auf die turbulenten Anfänge blickt, die wohl bei den meisten Start-ups ein Auf und Ab sind.

Auch in letzter Zeit ist es bei Chronext nicht unbedingt aufwärts gegangen, und zwar nicht erst seitdem die Preisrallye nach oben bei Pre-Owned-Luxusuhren ab dem zweiten Quartal 2022 nicht nur ins Stocken geriet, sondern die Richtung wechselte.

So verschob das Unternehmen im Herbst 2021 im letzten Moment den geplanten Börsengang, der bis heute nicht erfolgt ist. In einer kurzen Erklärung von Chronext hieß es damals lediglich, dass die Verschiebung auf derzeit ungünstige Marktbedingungen für wachstumsstarke Unternehmen zurückzuführen sei.

Im Sommer 2022 entließ das Unternehmen schließlich rund ein Viertel seine Mitarbeiter. „Wie derzeit viele Unternehmen in der Technologiebranche, spüren auch wir die Folgen der Marktturbulenzen und Inflation, verursacht durch den schrecklichen Krieg in der Ukraine, welche zu einem zurückhaltenderen Konsumverhalten führen“, erläuterte Man damals diesen Schritt.

Wenige Wochen später räumte er aber auch eigene Fehler ein. „Natürlich haben wir und auch ich Fehler gemacht. Die Strategie, die wir hatten, war die richtige im Kontext zu unseren Zielen und der Zeit. Jetzt haben wir eine Zeitenwende. Das nun zu ändern, war auch wichtig. Hätte man das schneller machen können und sollen? Ja.“

Sein Gegenmittel lautete damals, „sich so aufzustellen, dass man für den gleichen Umsatz weniger Geld ausgibt. Das wird uns auch gelingen“

Dahinter steckte auch das Ziel, profitabel zu werden. Wobei dieses bereits im April 2020 von Philipp Man im Gespräch mit TICK-TALK ausgerufen wurde.

„Die letzten zwölf Monate waren nicht nur in der Uhrenindustrie ereignisreich, auch bei Chronext ist viel passiert: Wir konnten 2019 ein enormes Umsatzwachstum von fast 90 Prozent verzeichnen, haben eine weitere Finanzierungsrunde von über 60 Millionen US-Dollar abgeschlossen und neue Investoren an Bord geholt. Seitdem steht unsere Arbeit ganz im Zeichen der Profitabilität.“ Diese ist aber bislang nicht erreicht worden.

Die Schweizer Handelszeitung berichtet übrigens über weitere Veränderungen bei Chronext. So wurde eine neue Chronext Group in Zug im Handelsregister eingetragen. Neben Philippe Roten als CEO sitzt dieser als Präsident mit Einzelunterschrift der in Herriberg ansässige Anwalt, Immobilieninvestor und Unternehmer Till Spillmann vor.

Er ist bei der Immobilien- und Private-Equity-Firma Actium Invest aktiv, die unter anderem in E-Commerce-Startups investiert. Auf der Homepage wird Chronext allerdings noch nicht als Investment aufgeführt.

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About Karl Heinz Nuber

Nuber ist langjähriger unabhängiger Uhren Journalist und begann seine Karriere in den frühen 80er Jahren. Durch das Sammeln kam er zum Schreiben. Er ist Gründer des vierteljährlich regelmässig bilingual – Deutsch und English - erscheinenden TOURBILLON Magazin’s, der digitalen TOURBILLON Plattform TICK-Talk, der Ausstellungs- und Event Plattform Art of TOURBILLON und TOURBILLON TV. Er tritt regelmässig als Kenner der Branche in Erscheinung.

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