Donnerstag , 29 Februar 2024
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Omega verdächtigt Mitarbeiter wegen falscher «Mariage»*-Uhr

Eine Omega Speedmaster wurde für über 3 Millionen Franken versteigert. Doch sie ist kein Original, sondern aus Vintage-Teilen zusammengebaut. Gute Öffentlichkeitsarbeit oder Missgeschick?

Der Uhrenhersteller Omega behauptet, dass drei ehemalige Mitarbeiter an einem Komplott beteiligt waren, das zum Verkauf einer gefälschten Speedmaster bei einer Auktion für mehr als 3 Millionen Franken führte.

Der Zeitmesser, eine Omega Speedmaster mit «Broad Arrow»-Zeigern aus dem Jahr 1957, sei in Wirklichkeit eine «Mariage»-Uhr gewesen, die aus einer Mischung von grösstenteils authentischen Teilen anderer Vintage-Uhren zusammengesetzt worden sei, teilte das Unternehmen mit Sitz in Biel in einer Antwort auf Fragen der Agentur Bloomberg mit.

Omega kaufte die Uhr selber

Die Uhr wurde im November 2021 für etwas mehr als 3,1 Millionen Schweizer Franken über das Auktionshaus Phillips verkauft – der höchste Preis, der jemals für eine Speedmaster bei einer Auktion gezahlt wurde. Die Uhr wurde von Omega selbst gekauft, wie das Unternehmen mitteilte.

Der Skandal unterstreicht die Befürchtung, dass Fälscher alte Uhren, die auf dem Sekundärmarkt und auf Auktionen verkauft werden, nachbauen oder verändern, um höhere Verkaufspreise zu erzielen. Sammler zahlen Millionen für bestimmte Uhren in gutem Zustand und mit Originalteilen.

Ein ehemaliger Angestellter des Omega-Museums und seiner Abteilung für das Erbe der Marke gehörte zu den Mitarbeitern, die laut Omega in diesen Fall verwickelt waren. Dieser Mitarbeiter «arbeitete mit Mittelsmännern zusammen, um die Uhr für das Omega-Museum zu kaufen» und argumentierte gegenüber Führungskräften des Unternehmens, dass es sich um eine «seltene und aussergewöhnliche Uhr handelte, die ein absolutes Muss» für die Omega-Sammlung sei, so das Unternehmen.

Falsches Erbe

Bei der Uhr handelte es sich jedoch um eine raffinierte Fälschung, bei der Komponenten verschiedener Zeitmesser und möglicherweise gefälschte Teile zusammengefügt wurden, so Omega. Die Uhrenmarke hat die ehemaligen Mitarbeitenden, die am Betrug beteiligt gewesen sein sollen, nicht identifiziert. «Die gefälschte Erbschaft ermöglichte es den Tätern, ein stark überhöhtes Angebot zu rechtfertigen, das über die Vermittler abgegeben wurde», so das Unternehmen.

Die Machenschaften seien «zum massiven Schaden von Omega» gewesen, sagte Verwaltungsratspräsident Raynald Aeschlimann der «Neuen Zürcher Zeitung», die zuerst über den Fall und die Vorwürfe gegen die ehemaligen Mitarbeiter berichtet hatte. Das Unternehmen wisse noch nicht, wer die Uhr zu Phillips gebracht habe, um sie zu versteigern, liess der Uhrenhersteller verlauten.

Ein Sprecher des Auktionshauses sagte, es habe die Identität des Verkäufers wegen der Vertraulichkeitsregeln für Kunden nicht bekannt gegeben, würde dies aber tun, wenn es von Behörden wie der Polizei oder den Gerichten verlangt würde. Als Phillips sich an Omega wandte, um Informationen aus den Archiven des Unternehmens zu erhalten, «wussten wir nichts von den mutmasslichen kriminellen Aktivitäten, die jetzt Gegenstand der Ermittlungen sind», fügte der Sprecher hinzu. Andererseits meinte Aurel Bacs von Phillips, der ehemalige HSG-Abbrecher, dass «er nur Uhren anbiete, die nur ihm ausschliesslich gefallen».

*Als Mariage (franz. Hochzeit) bezeichnet man den Zusammenbau einer Uhr, welche aus Teilen von mindestens zwei oder auch mehr Basisuhren kombiniert wird.

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About Karl Heinz Nuber

Nuber ist langjähriger unabhängiger Uhren Journalist und begann seine Karriere in den frühen 80er Jahren. Durch das Sammeln kam er zum Schreiben. Er ist Gründer des vierteljährlich regelmässig bilingual – Deutsch und English - erscheinenden TOURBILLON Magazin’s, der digitalen TOURBILLON Plattform TICK-Talk, der Ausstellungs- und Event Plattform Art of TOURBILLON und TOURBILLON TV. Er tritt regelmässig als Kenner der Branche in Erscheinung.

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