Samstag , 13 April 2024
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Daniel Dreifuss und seine Maurice de Mauriac Manufaktur waren eine Institution in Zürich

Wir nehmen Abschied von Daniel Dreifuss

Daniel starb am 25.8.2023 im Alter von 63 Jahren in seine Familie eingebettet nach einer Krankheit, die sein Leben auf zutiefst unfaire Weise zu zu früh und zu unästhetisch beeinträchtigt hat. Beides konnte er nie leiden.

Wie lang darf ein Nachruf für Daniel Dreifuss sein? Wenn es nach ihm ginge, nicht länger als ein Satz. Denn spätestens dann liess seine Aufmerksamkeit rapide nach. Erstaunlich bei einem Mann, der das Geschichtenerleben und Geschichtenerzählen nicht nur erfunden zu haben scheint, sondern davon auch gelebt hat.

Es gab nichts, wirklich nichts in Daniels Umfeld, das nicht Zeugnis einer Geschichte war. Jedes Kleidungsstück, jede Farbe, jedes Möbel, jedes Accessoire und natürlich jede Uhr – alles hat eine Geschichte. Eine Geschichte, die auch immer seine Geschichte war.

Daniels Tod ist seine letzte von ihm erzählte Geschichte. Wer denkt, dass das das Ende aller seiner Geschichten ist, der irrt. Daniels Geschichte und Geschichten haben eine Qualität, das sie noch in vielen Gesprächsrunden als die beste Geschichte den Aufmerksamkeitssieg erringen werden. Wer könnte es toppen, dass er seine ersten Uhren testete, indem er sie auf dem Weg von Zürich nach Bern im Zug zu verkaufen versuchte. Und verkaufte. An wildfremde Menschen. Das das überhaupt möglich war, war nicht nur der Verdienst seiner von ihm geschaffenen Uhren. Daniel war auch ein begnadeter Verkäufer. Ein Instinktverkäufer. Die können etwas verkaufen, ohne das es sich als ein Verkauf anfühlt. Sein Gegenüber hatte plötzlich eine Uhr – und liebte sie.

Liebe war Daniel wichtig. Er liebte seine Familie. Wobei Daniel schon sehr früh ein deutlich erweitertes Verständnis von Familie hatte. Denken die einen bei Familie an Mutter, Vater, Kinder, dachte Daniel an die grosse Markenfamilie. Seine Familie hatte irgendwann über 150.000 Familienmitglieder. Alter, Geschlecht, Herkunft, da war Daniel grosszügig. Man musste nur seine Uhren lieben, besser noch – kaufen.

Das Daniel die kleine, traditionelle Familie besonders liebte, konnte man daran erkennen, dass er sein Werk, seine Marke, sein Unternehmen, auf diese Familie fokussierte. Über viele Jahre baute er seine Kinder auf, um am Tag X sein Lebenswerk übernehmen zu können. Der Tag X war vor rund zwei Jahren. Und auch diese Geschichte, die Geschichte des Generationswechsels, erzählte er auf seine Art. Radikal, intensiv, unnachahmlich. Auch sie ist ein Erfolg. Massimo, Leo und Masha haben Maurice de Mauriac zu ihrer Geschichte gemacht und sich als talentierte und entschlossenen Nachfolger bereits bewährt. Daniels Lebenswerk wächst. Besonders in der Zeit, in der sein Leben plötzlich endlich erschien.

Seine Frau Claudia, Künstlerin durch und durch, Malerin, Zeichnerin, Musikerin, trug die kreative Kraft in sich, das Leben mit Daniel als Gesamtkunstwerk zu sehen und hat alle Krisen, die die Erschaffung eines Lebenswerks erlebt, getragen, geglättet, deren Auswirkungen kunstvoll in positive Energien umgewandelt. Eine Lebensleistung, in nichts kleiner.

Und wann hat Daniel wo gelebt, gearbeitet, wann welche Uhr entwickelt und… und… und… Das aufzuzählen beschreibt ihn nicht. Er war nie der Typ Exceltabelle. Er war eher der Typ Mindmap aber ohne eine Mindmap nötig zu haben. Daniel hatte ein Gedächtnis, um das ihn viele neideten. So brauchten seine Söhne auch Monate und Monate, um alles zu erfahren, was Daniel nur in sich trug, was nirgendwo aufgezeichnet war, um Maurice de Mauriac sicher führen zu können. Dieses Gedächtnis war auch die Grundlage von Daniels Detailverliebtheit. Ihm entging nichts und niemand. Seine Uhren profitierten davon, indem er sie in tausende Entscheidungen zerlegte und jede einzeln traf. Verwarf. Traf. Verwarf. Traf. Keine vergass. Manche nannten das anstrengend. Andere nannten es genial.

Seine kleine Familie wird Daniel schmerzlich missen. Nicht alles an ihm, aber all das, was ihn so besonders gemacht hat.

Seine grosse Familie wird Daniel missen. Nicht alles an ihm, aber die Unruhe, die er allen als kreativen Input mitgab. War er doch immer für eine ungewöhnliche Geschichte, eine Überraschung, ein ganz besonderes Detail oder eine andere Sicht auf das Grosse und Ganze in der Welt und der Uhrenbranche gut.

Daniel wird sich selbst fehlen. Denn Daniel lebt in dieser und in jeder seiner Geschichten weiter.

Daniel, wir wünschen Dir eine gute Zeit.

Deine Frau Claudia und Deine Kinder Massimo, Leonard und Masha

Die Beerdigung findet diesen Sonntag, 27.08, um 16.00 Uhr statt. Wer Daniel und die Familie in diesem Moment begleiten möchte, kann sich bei seinem Sohn Massimo melden. Er sendet dann alle notwendigen Informationen zu: +41 76 565 41 79

SUMMARY

„Menschen, die wir lieben, bleiben für immer, denn sie hinterlassen Spuren in unseren Herzen.“

TICK-TALK wünscht Claudia und Ihren Kinder, Massimo, Leonard und Masha herzliches Beileid und viel Kraft bei der Trauerbewältigung. Einen Menschen zu verlieren ist das eine, solange man an ihn denkt wird er immer bei uns sein.

Der gebürtige Thurgauer ist nach seinem zweijährigen Kampf gegen den Krebs verstorben. Ich durfte ihn jahrzehntelang als Journalist und Sparring-Partner begleiten.

Dreifuss war früher Banker in New York. Ende der 1990er-Jahre kehrte er New York – und seiner Karriere im Finanzsektor – den Rücken und kam in die Schweiz zurück, um in Zürich seine Firma Maurice de Mauriac zu gründen. «Er wandte sich vom Geld ab und der Zeit zu», heisst es auf der Website des Unternehmens zur Entstehungsgeschichte. Zu Beginn – 1997 – fertigte er Uhren im Auftrag grosser Firmen, sogenannte Private Label Uhren, Später begann er, eigene Kollektionen herauszubringen. 2021 zog er sich zurück und übergab die Leitung der Firma an seine Söhne Massimo und Leonard.

Daniel war ein Mensch, der nur polarisierte. Die einen hatten ihn gern, die anderen gingen ihm aus dem Weg. Ich hatte genügend Zeit, auch seine “dunklen Seiten” zu entdecken und kennenzulernen. Unbekannten Seiten, die jedem, der ihn kannte, das Leben schwer machen konnten. Daniel hat mir mehrmals ans Bein gepinkelt. Er war durch und durch ein Opportunist. So versuchte er alles, um ständig Publizität zu erhalten, um so im Gespräch zu bleiben. Da er viel zu erzählen hatte, wurden ihm verschiedene Plattformen zur Verfügung gestellt. Zuletzt der Beyer Talk, von seinem “best buddy” René Beyer. So konnte er sich die Werbekosten ersparen, indem er zum Story-Teller wurde.

Trotz meinen Ressentiments ziehe ich den Hut vor Daniels Lebensleistung. Man kann nicht alle Menschen lieben.

About Karl Heinz Nuber

Nuber ist langjähriger unabhängiger Uhren Journalist und begann seine Karriere in den frühen 80er Jahren. Durch das Sammeln kam er zum Schreiben. Er ist Gründer des vierteljährlich regelmässig bilingual – Deutsch und English - erscheinenden TOURBILLON Magazin’s, der digitalen TOURBILLON Plattform TICK-Talk, der Ausstellungs- und Event Plattform Art of TOURBILLON und TOURBILLON TV. Er tritt regelmässig als Kenner der Branche in Erscheinung.

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