Mittwoch , 29 Mai 2024
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Luzerner Uhrenkönig ist tot

Seit 1977 führte Jörg Bucherer das Familienunternehmen. Nicht zuletzt dank des Verkaufs an Rolex hinterlässt der Luzerner ein Milliarden-Vermögen.

Der Luzerner Uhren- und Schmuckhändler Jörg G. Bucherer ist tot. Er ist am Montagabend im Alter von 87 Jahren gestorben. Dies sei von offizieller Seite bestätigt worden, berichtet die NZZ.

Erst im August wurde bekannt, dass Bucherer sein Unternehmen mangels eines direkten Nachkommens an den Luxusuhrenhersteller Rolex verkauft.

Jörg Bucherer führte das Familienunternehmen in dritter Generation als Präsident des Verwaltungsrats. Das Unternehmen mit Hauptsitz in Luzern beschäftigt etwas mehr als 2400 Mitarbeitende. Die Bucherer AG wurde im Jahr 1888 gegründet, Jörg Bucherer übernahm das Familienunternehmen im Jahr 1977 von seinem Vater.

Dabei war es keine einfache Zeit für die Branche, als Bucherer 1977 die Geschäfte von seinem Vater übernahm. Die Schweizer Uhrenindustrie war geschwächt, da die Märkte mit günstigen japanischen Quarzuhren überschwemmt worden waren.

Dies hielt Bucherer indessen nicht davon ab, schon bald nach seinem Einstieg zuerst nach Österreich und dann nach Deutschland zu expandieren. Nach der Übernahme der (inzwischen wieder verkauften) Kurz-Gruppe im Jahr 1989 und der Swiss Lion AG im Jahr 2001 begann 2013 eine weitere starke Expansionswelle: Zuerst wurde in Paris an bester Touristenlage das weltgrösste Uhren- und Schmuckgeschäft eröffnet, 2016 kam ein Standort in Kopenhagen dazu, und 2017 kaufte Bucherer The Watch Gallery in London mit vier Boutiquen.

Inhaber Jörg G. Bucherer (links), Markenbotschafterin Li Bingbing und CFB CEO Sascha Moeri bei der Eröffnung in Luzern – Carl F. Bucherer

2018 schliesslich folgte der grösste Kraftakt: Im Januar wurde der amerikanische Luxushändler Tourneau mit 28 Geschäften übernommen und als Arrondierung im August noch Baron & Leeds mit fünf Geschäften auf Hawaii und in Kalifornien.

Es folgte der Ausbau des Geschäfts mit gebrauchten Uhren unter anderem als bevorzugter Partner von Rolex. Und im August 2023 schliesslich – angesichts fehlender Nachkommen, die Bucherer hätten weiterführen können – der Verkauf an diesen wichtigsten Partner.

Jörg Bucherer, der sein Unternehmen auch nach dem Verkauf als Verwaltungsratspräsident weiterführte, war zeitlebens höchst medienscheu. Nach dem Milliarden-Deal mit Rolex gab er niemandem öffentlich Auskunft.

Punkto Geschäftsgang liess er sich nicht in die Karten schauen. Abgesehen von einem «Es läuft sehr gut» war ihm nichts zu entlocken. Und auch zur oft gestellten Frage nach der Zukunft der Firma gab es vom kinderlosen Bucherer damals nicht mehr zu erfahren, als dass das Unternehmen für die Zukunft gewappnet sei. Ob der Rolex-Deal damals schon aufgegleist war, ist ungewiss.

Aber dafür gab es Einblicke in die Geschichte: So war es für Jörg Bucherer offenbar ein rechter Kraftakt, Alleineigentümer des Unternehmens zu werden, denn von seinem Vater, der das Geschäft mit seinem Bruder zusammen geführt hatte, bekam er nur dessen 50-Prozent-Anteil der Aktien vererbt. Die andere Hälfte konnte er später seinem Cousin abkaufen.

Und auch die aus Gründen der Familienkonstellation ausgestellten Genuss- bzw. Partizipationsscheine, die eine Zeitlang an der Schweizer Börse gehandelt wurden, mussten erst zurückgekauft werden, bevor 2001 mit dem Going-private wieder die völlige Unabhängigkeit erreicht war.

Auch über das langjährige spezielle Verhältnis zwischen dem Juwelier und Rolex, der mit Abstand wichtigsten Uhrenmarke im Bucherer-Sortiment, informierte Jörg Bucherer, wie es seine Art war, in homöopathischen Dosen. Von dem Rolex-Gründer Hans Wilsdorf, bei dem er als 20-Jähriger nach dem frühen Tod seines Vaters einen Stage habe machen dürfen, habe er gelernt, was konservative Unternehmenspolitik und extremes Qualitätsbewusstsein bedeute, betonte Jörg Bucherer damals. Das habe ihn stark geprägt.

Er hinterlässt ein Milliardenvermögen

Das Vermögen von Bucherer wird von der Bilanz auf gut 2,2 Milliarden Franken geschätzt. Dazu kommt noch der unbekannte Betrag, den er für den Verkauf an Rolex bekam. Branchen-Insider gehen von einem Erlös von bis zu 4,4 Milliarden Franken aus.

Jörg Bucherer 2016 im Lincoln Cosmopolitan, der einst seinem Grossvater Carl F. Bucherer gehörte. Manuela Jans-Koch / Neue Luzerner Zeitung

Da Bucherer kinderlos blieb, wird davon ausgegangen, dass der Uhren-Patron für seinen Tod vorgesorgt hat, schreibt die Handelszeitung: «Sein Vermögen dürfte grösstenteils einer Stiftung zufliessen», heisst es. Doch auch hier liegt die Handelszeitung wiederum falsch. Denn “das Vermögen von Herren Bucherer wurde auf mehrere Stiftungen, die ihm am Herzen lagen, platziert,” so ein persönlich Vertrauter von Herrn Bucherer.

SUMMARY_Mit Jörg Bucherer verliert die Schweiz einen erfolgreichen Unternehmer alter Schule. Als Vertreter der dritten Generation formte er aus dem 1888 gegründeten Luzerner KMU den weltgrössten Uhren- und Schmuckhändler, mit etwas mehr als 2400 Mitarbeitenden, 36 Standorten in Europa und 32 Geschäften in den USA und einem geschätzten Umsatz von 1,8 Milliarden Franken. Ich lernte Jörg Bucherer als bescheidenen zurückhaltenden, medienschen aber grosszügigen Menschen kennen. Jörg Bucherer, der sein Unternehmen auch nach dem Verkauf als Verwaltungsratspräsident weiterführte lebte sehr zurückgezogen. Nach dem Milliarden-Deal mit Rolex gab er niemandem öffentlich Auskunft.

About Karl Heinz Nuber

Nuber ist langjähriger unabhängiger Uhren Journalist und begann seine Karriere in den frühen 80er Jahren. Durch das Sammeln kam er zum Schreiben. Er ist Gründer des vierteljährlich regelmässig bilingual – Deutsch und English - erscheinenden TOURBILLON Magazin’s, der digitalen TOURBILLON Plattform TICK-Talk, der Ausstellungs- und Event Plattform Art of TOURBILLON und TOURBILLON TV. Er tritt regelmässig als Kenner der Branche in Erscheinung.

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