Sonntag , 3 März 2024
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Eine Patek der vierten Serie 2499 in Gelbgold, signiert von Tiffany & Co. – die gleiche wie die Lennon 2499 und eine von nur zwei bekannten. © Sotheby's

Der Streit von Yoko Ono um John Lennons Patek Philippe Referenz #2499

Imagine! Stellen Sie sich vor, die wohl berühmteste Uhr der Welt, eine Patek Philippe 2499, die John Lennon kurz vor seinem Tode von seiner Frau Yoko Ono geschenkt bekommen hat, wurde aus seinem Nachlass gestohlen. Stellen Sie sich vor, die aufsehenerregende Uhr landet in der Türkei, ja sogar in Deutschland. Und stellen Sie sich vor, man würde Sie heute versteigern, um mehrere Millionen. Da könnte man doch sagen, es werden Sammler-Träume wahr?

Referenzpunkte der Patek Philippe Perpetual Calender Chronograph

Es ist eine Odyssee, die in einem Genfer Gericht endete, welche die berühmte Patek Philippe 2499 (oder auch Lennon 2499 genannt) hinter sich hat. Ein Sammlerstück, nicht ob der uhrmacherischen Handwerkskunst von Patek, oder den kostbaren Edelmetallen und Schmucksteinen des Sammlerstücks. Nein, weil sie dem berühmtesten Beatle John Lennon gehörte, der den Zeitmesser zu seinem 40. Geburtstag, nur zwei Monate vor seinem Tode vor dem berühmten Apartment-Dakota-Gebäude, von seiner Frau Yoko Ono geschenkt bekommen hatte. Der Patek Philippe Referenz 2499 Chronograph mit ewigem Kalender wurde bereits damals als die ultimative Patek angesehen, da sie den Charme der alten Welt mit moderner Tragbarkeit einfing und war vermutlich auch eine der am besten untersuchten und analysierten PP-Perpetual-Uhr, so Chronos.

Privatchauffeur stiehlt Patek und gibt sie an Hehler

Trojanisches Pferd war der Privatchauffeur von Yoko Ono, der im Jahr 2006 verhaftet wurde. Koral Karsan wurde verhaftet, weil er versucht hatte, zwei Millionen Dollar von Ono zu erpressen. Er wurde schließlich einer geringeren Anklage für schuldig gesprochen und sofort in sein Heimatland Türkei abgeschoben. Dann, im Jahr 2017, tauchten Beweise dafür auf, dass Karsan den Nachlass der Lennon-Witwe gestohlen hatte: darunter 86 Gegenstände von John Lennon wie Brillen, Tagebücher und eben auch die Patek Lennon 2499. Doch wo waren die Gegenstände geblieben?

Im Jahr 2004 gab Karsan einem in Deutschland lebendem Hehler, Erhan G., die Patek und auch die anderen 86 Gegenstände, die Karsan von Ono entwendet hatte. Erhan wandet sich darauf hin 2013 an ein deutsches Auktionshaus und schloss einen Vertrag mit dem inzwischen bankrott gegangenem Auktionshaus ab, um die Uhr zu verkaufen. Kurz darauf stimmte das Auktionshaus in einer im Januar 2014 unterzeichneten Vereinbarung zu, die Uhr für 600.000 Euro privat an einen italienischen Händler zu verkaufen, der jetzt in Hongkong lebt, anstatt sie öffentlich zu versteigern. Ein sehr zwielichtiges Geschäft, wie auch der Händler in der Branche als recht bestritten gilt.

Christie’s wendet sich an Yoko Ono

Einige Monate später brachte genannter italienische Händler die Uhr zu Christie’s Genf, um sich über den Verkauf zu erkundigen. Nachdem Christie’s die Uhr im Juni erhalten hatte, kontaktierte Christie’s im September 2014 Onos Anwalt, um sich nach der Uhr zu erkundigen. Das überraschte Ono. Sie antwortete, dass die Uhr immer noch bei ihr zu Hause sein müsse, eingeschlossen in einem Schrank mit anderen Gegenständen von Lennon. Schließlich war dies eines der letzten Geschenke, die sie Lennon nur zwei Monate vor seinem Tod gemacht hatte. Doch nachdem Ono ihren Schrank durchgesehen hatte, stellte sie zum ersten Mal fest, dass die Uhr, die sie Lennon vor 35 Jahren gekauft hatte, nicht mehr da war. Laut Ono war Karsan eine der wenigen Personen, denen Zugang zu dem Raum gewährt wurde, in dem sie die Uhr und Lennons andere persönliche Gegenstände aufbewahrte. (Quelle Hodinkee)

Treuhand-Vereinbarung und Gerichtsurteil

Ono versuchte, in den USA Schritte zu unternehmen, um die Uhr zurückzubekommen, doch da die Uhr nun in Genf aufbewahrt wird, reichte sie schließlich dort im Oktober 2015 eine Klage ein, in der sie den Besitz der Uhr durch den italienischen Händler bestritt und behauptete, sie sei ihr gestohlen worden. Danach schlossen die Parteien mit Christie’s eine „Consignment-Treuhand-Vereinbarung“ ab, nach der die Lennon 2499 von einem Anwalt des italienischen Händlers treuhänderisch verwahrt würde, bis der Besitz vollständig geklärt werden konnte. Seit 2015 ist dies der Status der Lennon 2499 gewesen.

Nach der Anhörung bestätigte das Gericht eine frühere Entscheidung, dass Yoko Ono die rechtmäßige Besitzerin der Lennon 2499 sei, und sagte, Karsan habe sie ursprünglich gestohlen. Es wurden keine Beweise für Onos Absicht gefunden, die Uhr ihrem ehemaligen Fahrer zu geben, wie der italienische Händler behauptete. Das Schweizer Gericht verwies auch auf die deutsche Kriminalpolizei, die feststellte, dass Lennons 86 weitere Gegenstände gestohlen worden seien. Es scheint ein Ende der Uhren-Odyssee in Sicht. Nachdem Ono über 40 Jahre lang von der Uhr getrennt war, könnte sie bald wieder in ihren Besitz gelangen.

Was wäre wenn?

Bevor die Entscheidung rechtskräftig ist, kann der italienische Händler jedoch noch einmal Berufung einlegen. Der Händler versuchte im Wesentlichen auch, eine „Finder’s Keeper“-Theorie über sein Eigentum aufzustellen, die das Gericht jedoch schnell zurückwies. Doch wenn dieser italienische Händler den Fall gewonnen hätte, wäre Christie’s das Recht zugestanden, die Uhr über die Treuhandvereinbarung zu verkaufen und so entstanden Spekulationen darüber, wie viel der Zeitmesser nun in Wirklichkeit wert ist.

Händler Eric Wind sagt über die möglicherweise wertvollste Uhr der Welt, dass sie 40 Millionen Dollar wert sein könnte. Doch dem widersprechen andere Sammler. Die Uhr von Mel Blanc, der Stimme von Bugs Bunny, ebenfalls eine 2499er Patek, wurde für etwa 700.000 Dollar verkauft. Demnach hätte die Lennon-Provenienz eher einen Wert von 10-15 Millionen Dollar. Ein weiterer Vergleich wäre die Platin 2499, von der es nur zwei Exemplare gibt und eine dem Megasammler Eric Clapton gehörte, bevor Christie’s sie 2012 für 3,6 Mio. Dollar verkaufte. Und last but not least gibt es eine weitere Uhr mit Rockstar-Herkunft der Beatles, nämlich die Patek 3448 mit ewigen Kalender von Ringo Starr, die 2015 für 180.000 Dollar unter den Hammer kam. Aber in derselben Auktion wurde eine von Lennons Gitarren für fast 1 Million Dollar verkauft. Das zeigt, dass es die Beatles gibt – und dann gibt es halt JOHN LENNON von den Beatles.

SUMMARY

About Karl Heinz Nuber

Nuber ist langjähriger unabhängiger Uhren Journalist und begann seine Karriere in den frühen 80er Jahren. Durch das Sammeln kam er zum Schreiben. Er ist Gründer des vierteljährlich regelmässig bilingual – Deutsch und English - erscheinenden TOURBILLON Magazin’s, der digitalen TOURBILLON Plattform TICK-Talk, der Ausstellungs- und Event Plattform Art of TOURBILLON und TOURBILLON TV. Er tritt regelmässig als Kenner der Branche in Erscheinung.

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