Mittwoch , 28 Februar 2024
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Der Grenadier zeigt im Gelände was in ihm steckt

Ineos Grenadier: Unvergessliche Outdoor Experience

Das Angebot echter Geländewagen wurde zuletzt immer kleiner. Der Ineos Grenadier will diese Lücke füllen. Mit Bravour! Ich durfte mich in den Bündner Bergen von der outdoor Tauglichkeit des Grenadier überzeugen.

Auf den ersten Blick wirkt der Grenadier wie eine Kopie des legendären Land Rover Defender von 1948. Eine entsprechende Klage wegen Urheberrechtsverletzung von Land Rover wurde jedoch abgewiesen, obwohl der Grenadier genau die gleich kantige Form mit langer Motorhaube, fast senkrechter Windschutzscheibe und Ersatzrad am Heck hat. Unter der eigentlich schon 75 Jahre alten Silhouette steckt allerdings modernste Technik. Ineos hat sich für den Grenadier mit besten renommierten Partnern zusammengetan. Motoren und Getriebe stammen von BMW sowie ZF und wurden von Magna Steyr in Österreich für den Geländeeinsatz optimiert. Die Österreicher bauen auch die G-Klasse für Mercedes.

Und was macht den Grenadier so besonders?

Von außen sieht man Ecken und Kanten. Kein gefälliges lifestyle mainstream Design. Er wirkt auf mich “gefährlich” denn er ist ein echtes Arbeitstier, das viel aushalten kann. Andererseits, der Grenadier sieht schon sehr defenderig aus, ist aber kein Defender. Wer im Rückspiegel nur die Scheinwerfer-Region erblickt, wittert wahrscheinlich eine G-Klasse. Aber was soll man hier auch groß experimentieren. Der Einsatzzweck gibt die Form ja größtenteils vor. 

Das Box-Design optimiert das Platzangebot innen, kleine Überhänge helfen im Gelände, die Radkästen sind für größtmögliche vertikale Radbewegungen geformt. Am schärfsten ist das Auto natürlich mit Stahlfelgen und den dicken BF Goodrich-Pneus.

Eines meiner Highlights sind zudem die runden LED-Rückleuchten. Generell sieht das Heck mit der Leiter, dem Ersatzrad und den beiden Kofferraum-Türen (im Verhältnis 30:70) ziemlich cool aus. Vor allem die rote Tür auf einigen unserer Testwagen hätte das Zeug zum Markenzeichen. Leider ist das Feature derzeit offiziell nicht bestellbar, aber in der Club-, Foren- und Tuningszene dürfte es zum Nachrüst-Renner werden. 

Was den Grenadier wirklich auszeichnet, sind seine vielen praktischen Lösungen. Hier ist viel Hirnschmalz eingeflossen. Von Menschen, die Offroad nicht nur aus dem Discovery Channel kennen. So hat man beispielsweise fein säuberlich 10- und 25-Amper-Kabel verlegt, die außen in Anschlüssen am Dach münden. Für das einfache Anbringen von Lichtleisten, Blaulicht und Co. Außerdem gibt es spezielle Befestigungsschienen an den Türen, die zum Aufhängen von Hängematten, dem Befestigen von Zelten oder dem Einhaken von Campingtischen taugen. 

Der Grenadier hat eine Dachlast von 450 Kilo, packt 350 Kilo an der Anhängerkupplung, hat 3,5 Tonnen Anhängelast und eine Winde mit einer Zuglast von 5,5 Tonnen. Das Ladevolumen beträgt bis zu 2.000 Liter. Eine Europalette geht notfalls auch hinten rein. Es gibt ihn als 2- oder 5-sitzigen Utility Wagon mit fensterlosem Seitenteil, als normalen Station Wagon und als Pickup mit dem wunderbaren Namen Quartermeister. 

Auf unserer Tour durch die Bündner Alpen – über Stock und Stein – können wir alle Systeme des Grenadier entspannt und in aller Ruhe testen. Wir fahren auf einer Piste den Heinzenberg – durch Schlamm und über Felsen, Hänge hoch – und Hänge runter. Die 26,4 Zentimeter Bodenfreiheit, 58,5 Zentimeter Federweg sowie die Böschungswinkel von 35,5 Grad vorne und 36,1 Grad hinten lassen uns jedes Hindernis überwinden. Oder durchqueren – wie gerade den Hinterrhein. Dafür bietet der Grenadier 80 Zentimeter Wattiefe.

Im Gelände hält der Grenadier, was er verspricht. Auf der Strasse überrascht er uns mit seinem Fahrkomfort. Trotz robustem Leiterrahmen und Geländereifen fährt der Grenadier ohne zu holpern über Landstrassen. Nachholbedarf haben die Newcomer bei der eher schwammigen und trägen Lenkung. Wegen des geringen Rückstellmoments müssen wir nach dem Abbiegen das Lenkrad stets selbst wieder zurückdrehen – was zu deutlich mehr Lenkarbeit als bei einem normalen Auto führt. «Das liegt an unserer fürs Gelände entwickelten Vorderachse», räumt die Pressestelle von Ineos Automotive, ein.

Die Dreiliter-Sechszylinder-Motoren von BMW machen grundsätzlich einen guten Job. Aber Benziner wie Diesel haben vor allem in Steigungen etwas zu kämpfen mit den 2,7 Tonnen Leergewicht des Grenadiers. Der 286 PS (210 kW) starke Benziner mit 450 Nm ist die kultiviertere Wahl, während der 249 PS (183 kW) starke Diesel mit 550 Nm sich müheloser durchs Gelände wühlt. Er eignet sich auch besser, um bis zu 3,5 Tonnen schwere Anhänger zu ziehen.

Der Ineos Grenadier ist ein würdiger Defender-Nachfolger, den sich viele Abenteurer-Fans wohl von Land Rover gewünscht hätten. Er ist bei uns ab sofort erhältlich. Die Nutzfahrzeug-Version mit etwas mehr Laderaum startet als Zweisitzer bei 70’990 Franken, die fünfplätzige PW-Variante gibts ab 82’290 Franken. Die Einstiegspreise sind für Diesel und Benziner identisch. Bei nur einem Ineos-Modell soll es aber nicht bleiben. Schon im Sommer wird der Grenadier durch eine Pick-up-Version ergänzt und 2026 soll dann gar ein etwas kleinerer Elektro-Offroader folgen. Wir sind gespannt.

Haben ich Ihr Interesse geweckt? Im Januar bietet Hedin Ineos Grenadier Test Drives an. Hier gehts zur Anmeldung.

SUMMARY_Als grosser Defender und G-Klasse Fan der ersten Stunde durfte ich den Grenadier im Gelände testen. Permanenter Allradantrieb. Drei Sperrdifferenziale. Solide Starrachsen. Der bewährte Dreiliter-Sechszylinder von BMW. Haben mich überzeugt. Er geht mir nicht mehr aus dem Kopf. Vielleicht steht ein Grenadier bald vor meinem Haus?

About Karl Heinz Nuber

Nuber ist langjähriger unabhängiger Uhren Journalist und begann seine Karriere in den frühen 80er Jahren. Durch das Sammeln kam er zum Schreiben. Er ist Gründer des vierteljährlich regelmässig bilingual – Deutsch und English - erscheinenden TOURBILLON Magazin’s, der digitalen TOURBILLON Plattform TICK-Talk, der Ausstellungs- und Event Plattform Art of TOURBILLON und TOURBILLON TV. Er tritt regelmässig als Kenner der Branche in Erscheinung.

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