Freitag , 5 Juni 2026
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Ältestes Uhrengeschäft der Welt muss schliessen

Die Familie Beyer findet keine Nachfolger und verkauft ihren traditionsreichen Uhrenladen an Patek Philippe. Die Zürcher Bahnhofstrasse verliert eines ihrer ältesten Geschäfte.

Seit 266 Jahren ist die Familie Beyer im Uhrmachermetier tätig – entsprechend ihrem Firmenslogan «Solange es Zeit gibt». Doch nun ist die Zeit des Uhrengeschäfts Beyer abgelaufen. Ende Jahr verschwindet der Traditionsname von der Zürcher Bahnhofstrasse. Die Besitzerfamilie verkauft den Laden an die Genfer Uhrenherstellerin Patek Philippe, wie sie in einer Mitteilung schreibt.

Keine Nachfolgelösung

Der Geschäftsverkauf habe sich schon länger abgezeichnet, sagt die letzte Geschäftsführerin Muriel Zahn-Beyer gegenüber der «NZZ». Es fehle eine Nachfolgelösung, da weder sie noch ihr 2025 verstorbener Bruder René Beyer Kinder haben. Deshalb hätten sich die beiden schon seit 20 Jahren mit einem allfälligen Verkauf des Unternehmens beschäftigt.

Uhrengeschäft mit Tradition an der Zürcher Bahnhofstrasse

“Eine externe Übernahme sei immer öfter die Lösung für ein Familienunternehmen”, sagt Hans-Jürg Domenig, Präsident des Schweizer Dachverbands für Unternehmensnachfolge: «Oftmals ist ein externer Nachfolger, der die Tradition weiterführt, die bessere Lösung für eine Firma als ein vorhandener Nachfolger, der die Firma nicht leiten kann oder will.»

Patek Philippe übernimmt einen Teil der Angestellten

Dass das Uhrengeschäft Beyer an Patek Philippe gehe, sei eine gute Lösung, sagt SRF-Wirtschaftsexpertin Charlotte Jacquemart: «Patek Philippe ist auch ein Schweizer Familienunternehmen und handelt ebenfalls mit Luxusuhren. Das ergibt Sinn.» Das Unternehmen vertreibt seine Luxusuhren über hunderte autorisierte Geschäfte, exklusive Eigenbetriebe gibt es aber lediglich drei: in Genf, Paris und London. Da passe der Beyer-Standort an der Bahnhofstrasse in Zürich sehr gut dazu.

Patek Philippe betreibt bereits heute eine eigene Boutique im Uhrengeschäft Beyer und übernimmt 25 Angestellte von Beyer. Die restlichen der rund 60 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern verlieren allerdings ihre Stelle.

Zudem verliert die Zürcher Bahnhofstrasse einen ihrer ältesten Namen. Seit 1877 verkauft Beyer hier Uhren. Das sei das Ende einer Ära, sagt die Geschäftsführerin der Vereinigung Zürcher Bahnhofstrasse, Fanny Eisl: «Es ist immer traurig, ein Traditionshaus zu verlieren. Beyer ist ein Gründungsmitglied der Vereinigung Zürcher Bahnhofstrasse und daher mit uns sehr verbunden und wichtig für die Strasse.»

Museum soll bleiben

Eine der bedeutendsten privaten Uhrensammlungen findet man im Uhrenmuseum Beyer. Rund 260 sehr kostbare Stücke zeigen die Geschichte der Zeitmessung von 1400 v. Christus bis zur Gegenwart: Von Sonnen- und Wasseruhren, Turmuhren, Renaissance-Automaten, Prunk-Pendulen, Taschenuhren in kunstvollen Gehäusen bis zum Prototyp der ersten Quarz-Armbanduhr. Auch wissenschaftliche Geräte zur Navigation sind Teil der Ausstellung. Einige sehr zerbrechliche Automaten können nur noch äusserst selten in Betrieb genommen werden. Dank Videoaufnahmen kann man diese kunstvollen Meisterwerke aber auch in Bewegung bewundern. Zudem erfahren die Besucher auf iPads in drei Sprachen (DE, EN, FR) Informationen zu den meisten ausgestellten Uhren.

Nicht Teil des Verkaufs ist das Uhrenmuseum im Untergeschoss der Beyer Chronometrie. Die von Muriel Zahn-Beyers Vater gegründete Sammlung soll bestehen bleiben. Sie sucht derzeit einen Standort, idealerweise an einem zentralen Ort in der Stadt Zürich.

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