Dienstag , 20 Januar 2026
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Tragödie in der Silversternacht im Schweizer Nobelskiort Crans-Montana

Vierzig Jugendliche – zwischen 14 und 23 Jahren – ausschliesslich aus gutem Hause – wollten den Beginn des neuen Jahrs in der In-Bar “Le Constellation” feiern, sie fanden bei einer Brandkatastrophe – ausgelöst durch das Feuer der Wunderkerzen auf Champagnerflaschen (ab CHF 500,–) – den Tod. 119 wurden schwerst verletzt und kämpfen immer noch mit 60 bis 70 % Verbrennungen um ihr Leben.

Nach der Brand-Katastrophe in Crans-Montana ist den Behörden die formelle Identifikation aller 40 Todesopfer gelungen. Bei rund der Hälfte von ihnen handelt es sich um Schweizerinnen und Schweizer. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass Wunderkerzen auf Champagnerflaschen die Decke angezündet haben. Das Ausmass der Katastrophe, aber auch das junge Alter der Opfer werfen viele Fragen auf.

Gegen die Betreiber des Lokals wurde eine Strafuntersuchung eröffnet. Untersuchungshaft wurde keine beantragt. Kurz darauf reichte die Gemeinde Crans-Montana Zivilklage ein. Gemäss der Staatsanwaltschaft sind unter anderem die Sicherheitsvorkehrungen und die in der Bar verwendeten Materialien Gegenstand der Ermittlungen.

An der heutigen Medienkonferenz haben alle Gemeinderätinnen und -räte von Crans-Montana teilgenommen. Der Gemeindepräsident Nicolas Féraud und Patrik Clivaz, Gemeinderat für öffentliche Sicherheit, haben verschiedene Punkte zu erhellen versucht.

Der Vollzug der Brandschutzbestimmungen ist in den Jahren 2016, 2018 und 2019 kontrolliert worden, wie der Gemeinderat mitteilte. Bei diesen Kontrollen seien «konkrete Änderungen» gefordert worden. Die Bar «Le Constellation» hatte die bei der letzten Kontrolle 2019 geforderte Antipanik-Funktion der Klinke fachgerecht installiert. Die Schaumstoffmatten zum Lärmschutz wurden nicht gemeldet, da sie damals bereits installiert gewesen waren. Ob diese zertifiziert sind, weiss die Gemeinde nicht. Die gesetzlichen Mindestvorgaben für Feuerlöscher und Alarmsysteme seien erfüllt worden. Warum die vorgeschriebenen periodischen Kontrollen zwischen 2020 und 2025 nicht durchgeführt wurden, ist laut Gemeinde unklar und Gegenstand der Ermittlungen.

Dieses Gremium war für die Sicherheit zuständig: Seit 2017 verfügt Crans-Montana über eigene Sicherheitsverantwortliche. Nach der Fusion der vier Gemeinden Chermignon, Mollens, Montana und Randogne im Januar 2017 startete man in Crans-Montana mit zwei Sicherheitsbeauftragten, mittlerweile sind es fünf – davon drei für periodische Kontrollen. Die Verantwortung liegt beim Sicherheitsdepartement. Hinweise auf persönliche Beziehungen oder gar Bestechung zwischen Beamten und Barbetreibern verneint die Gemeinde vehement. Die Staatsanwaltschaft prüft nun mögliche Versäumnisse.

So reagiert die Gemeinde: Die Gemeinde hat nun eine externe Fachgruppe mit künftigen Brandschutzkontrollen beauftragt und ein Verbot für Feuerwerkskörper beschlossen. Man will alle Restaurants überprüfen. Zudem tritt die Gemeinde als Nebenklägerin auf, um Zugang zu den Ermittlungen zu erhalten. Ziel sei Transparenz. Die Gemeinde sieht sich selbst als Opfer des Unglücks. Rücktrittsforderungen weist Präsident Féraud zurück: «Man verlässt das Schiff nicht, während es stürmt.»

Das ist zu den Betreibern bekannt: Die Barbetreibenden, ein französisches Ehepaar, haben laut Féraud «extrem fahrlässig» gehandelt. Auf Wunsch des Wirtenpaars ist 2025 eine Lärmschutzprüfung durchgeführt worden – nicht wegen Sicherheitsbedenken, sondern wegen erweiterter Öffnungszeiten. Einem zweiten Lokal des Paares – ein Fast-Food-Lokal in Crans-Montana – wurde die Betriebsbewilligung entzogen. Für ein weiteres Lokal der beiden ausserhalb von Crans-Montana sei die Gemeinde nicht zuständig.

So erklärt sich die Gemeinde: Die Gemeinde Crans-Montana sei nicht über bestehende Lücken im Kontrollsystem informiert worden, betont Féraud. Dass nur rund 40 statt aller 128 Lokale kontrolliert wurden, erklärt er damit, dass auch andere Betriebe – nicht nur Bars – ins Kontrollprogramm fielen. Auf Fragen nach Gesprächen mit sicherheitsverantwortlichen Mitarbeitenden verweigerte der Gemeindepräsident Féraud die Auskunft. Er betont jedoch: «Wir waren nicht informiert – und das bedauern wir sehr.»

Schweizer Bundesrat plant zusammen mit den Kirchen einen nationalen Trauertag

Bundespräsident Guy Parmelin hat den 9. Januar 2026 zum nationalen Trauertag erklärt. bekanntgegeben. Der Bund plane diesen Tag gemeinsam mit den Schweizer Kirchen

Am 9. Januar 2026, dem nationalen Trauertag nach der Brandkatastrophe in Crans-Montana, werden nach dem Stundenschlag um 14 Uhr die Kirchenglocken aller Schweizer Kirchen für fünf Minuten läuten. Während des Glockengeläuts sind die Menschen zum stillen Gebet, zum Gedenken an die Verstorbenen, zur Verbundenheit mit den Verletzten und ihren Angehörigen eingeladen. Es ist auch ein Zeichen des Dankes an alle, die mit unermüdlichem Einsatz dafür sorgen, dass die Krise bewältigt werden kann. Dies gilt insbesondere für die Rettungskräfte, die Menschen im medizinischen, psychologischen, seelsorglichen Dienst, aber auch die politischen Verantwortungsträgerinnen und Verantwortungsträger

SUMMARY_Die ersten Tage gehörten der Trauer. Bei immer mehr Angehörigen und Opfern wird die Trauer zur Wut. Sie hatten beim Brand in der Bar Le Constellation in Crans-Montana VS ihre Liebsten verloren – oder werden noch lange an den Brandverletzungen leiden. Am Dienstag mussten sie nun die Pressekonferenz der Gemeindevertreter erdulden. Angeführt vom Gemeindepräsidenten Nicolas Féraud, der sagte: “Die Gemeinde ist als Geschädigte am meisten betroffen, vor allen anderen”. Damit hat sich Féraud wohl keine Freunde gemacht. Nach der Pressekonferenz musste er unter Polizeischutz weggefahren werden.

About Karl Heinz Nuber

Nuber ist langjähriger Uhren Journalist und begann seine Karriere in den frühen 80er Jahren. Er ist Gründer des vierteljährlich regelmässig bilingual – Deutsch und English - erscheinenden TOURBILLON Magazin’s, der digitalen TOURBILLON Plattform TICK-Talk, der Ausstellungs- und Event Plattform Art of TOURBILLON und TOURBILLON TV. Er tritt regelmässig als Kenner der Branche in Erscheinung.

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