Samstag , 18 April 2026
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Der unvergessliche Jean-Etienne Aebi

“Schweizer Werbepioniere” werden immer rarer

Vor sieben Monaten verstarb Hermann Strittmater Inhaber der GGK Zürich und Schweizer Werbeikone mit 88 Jahren unerwartet nach einem gemeinsamen feinen Essen. Jean-Etienne Aebi, einer der berühmtesten Schweizer Werber, und ehemaliger Kreativchef von Publicis folgte ihm am 27. Jannuar 2026 mit 81. Lebensjahr. «What’s next?»

Strittmater formte das Bild von der Schweiz mit – über Marken, die für sie stehen oder standen: Hermann Strittmatter förderte mit Imagekampagnen seiner Agentur den Aufstieg der Swissair zum nationalen Identifikationsobjekt, bis zu deren tristem Ende. Er entwarf die Goldblume, die jahrzehntelang als Logo für Schweiz Tourismus stand.

Der in Witikon aufgewachsene Zürcher galt als brillanter Texter, streitbarer Charakter und politischer Querdenker, der sowohl für die SP wie später für die FDP arbeitete – stets mit scharfem Blick für Ideologien und Schaumschlägereien. 

In der Werbebranche war er vor allem in den 1980-er und 90-er Jahren eine prägende Figur und trug einiges zum damaligen Boom bei.

Als Gründer der GGK Zürich formte er eine Talentschmiede, schuf Wahl- und Abstimmungskampagnen, schrieb pointierte Kolumnen und blieb bis ins hohe Alter ein gefragter Kopf für Medien, Politik und Satire.

Hinter dem widerborstigen Auftreten zeigte sich ein liebevoller, witziger Mensch – besonders an der Seite seiner Frau Käti. Strittmatter, lange wohnhaft in Zollikon, er fwurde im engsten Kreis in Witikon beigesetzt. 

«In der Werbung zu unbekannten Ufern aufgebrochen, damit alles erreicht, was man erreichen kann, alles gewesen, was man sein kann, alles gemacht, was man machen kann, alles gewonnen, was man gewinnen kann. Als Bildermacher heute nichts mehr ausser eigene Erwartungen, eigene Massstäbe, eigene Möglichkeiten, nichts als das nächste Bild, der nächste Traum, nichts als wieder: der Weg ist das Ziel.»
Am 27. Januar 2026 verstarb Jean Etienne Aebi im Alter von 80 Jahren nach kurzer, intensiver Krankheit. Wie seine Familie mitteilt, durfte er so Abschied nehmen, wie er es sich gewünscht hatte: am Ende zwar geschwächt, aber ohne Schmerzen und im Schlaf.

Mit seinen Agenturen Aebi & Partner, ASGS/BBDO, Aebi/BBDO und Aebi, Strebel sowie als Kreativchef von Publicis prägte er die Schweizer Werbegeschichte über Jahrzehnte hinweg und war 1984 «Werber des Jahres».

Unter seiner Ägide entstanden ikonische Kampagnen, wie diejenige für den Zürcher Verkehrsverbund («Ich bin auch ein Schiff») oder den Toni Joghurt («Das im Glas»). Bezeichnend, dass deren Slogans noch heute fast berühmter sind als das beworbene Produkt; dominiert der Schein das Sein, dann ist es wirklich gute Werbung.

Nach seiner aktiven Berufskarriere brachte der Werbe-Profi sein Buch «Einfall oder Abfall. Was Werbung erfolgreich macht» heraus.

Nach dem Abschied aus der Branche fand Aebi gemäss sein Glück in den letzten zehn Jahren als konzeptioneller Künstler und vor allem als Singer-Songwriter mit diversen Blues-Alben und in Auftritten mit Profimusikern. Zuletzt gab er ein Abschiedskonzert mit dem Robi Weber Quartett.

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