Sonntag , 29 März 2020
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Coronavirus bremst Schweizer Wirtschaft aus und schadet der Luxusuhrenindustrie

Der Corona Virus ist breits in der Schweiz angekommen und trifft den Schweizer Tourismus und damit die Uhrenindustrie ins Herz. Letzter eine Industrie, die seit Jahren vor sich hinkränkelt, weil sie für viele CEO’s zu einem Selbstbedienungsladen geworden ist.

Besonders in Luzern oder Interlaken sind sie gegenwärtig: Touristen aus China. Sie bevölkern Innenstädte und schiessen Selfies vor Sehenswürdigkeiten. Auch gesamtschweizerisch gesehen sind Reisende aus China wichtig. Sie buchten von Januar bis November 2019 über 1,3 Millionen Logiernächte und sind damit die viertwichtigsten ausländischen Touristen. Oft sind sie in grossen Gruppen unterwegs und reisen im Car durch Europa. Gruppentouristen lassen jährlich 400 Millionen in Luzern liegen. Ein Chinese gibt durchschnittlich 380 Schweizer Franken bei uns aus. Doch genau das ist bald nicht mehr möglich: Wegen des Coronavirus hat das chinesische Tourismusministerium ab Montag den Verkauf von Gruppenreisen im Ausland gestoppt.

Die Schweizer Tourismusbranche sei besorgt, sagt Markus Berger, Sprecher von Schweiz Tourismus: “Man kann die genauen Auswirkungen nicht abschätzen und weiss nicht, wie lange die Beschränkung andauern wird”. Mehr als die Hälfte der Gäste aus Festlandchina komme mit Gruppenreisen, so Berger. Zudem sitze ihr Portemonaie locker: “Sie geben nach Reisenden aus den Golfstaaten am zweitmeisten Geld in der Schweiz aus, nämlich im Schnitt 380 Franken pro Person und Tag”.

Chinesische Touristen sind laut dem Sprecher ein bedeutender wirtschaftlicher Faktor im Schweizer Tourismus: “Das liegt vor allem an ihrer Ausgabefreudigkeit, kombiniert mit dem Wachtsumspotenzial.”. Daher fielen fehlende Touristen aus China mehr ins Gewicht als solche aus anderen Ländern.

Gerade in der Vierwaldstätter-Region rund um Luzern sind Reisende aus Chrina sehr wichtig: In der Stadt Luzern etwa machten sie 2019 rund zehn Prozent der Logiernächte aus, wie der Luzerner Tourismusdirektor Marcel Perren sagt: “Wir gehen davon aus, dass in den nächsten Wochen oder Monaten weniger chinesische Gäste in die Schweiz reisen”. Die Situation sei sehr schwer einzuschätzen.

Auch Conrad Meier, Präsident der Zentralschweizer Hoteliers, ist auf Touristen aus China angewiesen. “Sie bilden einen grossen Teil des Wintergeschäftes. “Zwar haben weder meier noch Perren bisher Kenntnis von annullierten Reisen aus China. Das könnte sich aber sofort ändern”, so Meier.

Chinesische Touristin vor dem Zürcher Fraunmünster

In Zürich geht man ebenfalls von einem Rückgang der Logiernächte aus. “Wir müssen damit rechnen, dass das Verbot von Gruppenreisen einen Einfluss haben wird”, sagt Ueli Heer von Zürich Tourismus. Wie stark, sei schwierig abzuschätzen. Keine allzu grossen Sorgen macht sich dagegen Urs Kessler, CEO der Jungfraubahnen. “Wir sind positiv eingestellt. 40 Prozent unserer Kunden aus China reisen als Indiviudaltouristen  und fast jeder will aus Jungfraujoch.”

Im Moment seien wegen des Chinesischen neuen Neujahres viele Gäste in der Schweiz, sagt Markus Berger von Schweiz Tourismus. Dann gehe die Nachfrage aber zurück: “Februar und März sind tradtionell schwache Monate für den Tourismus aus China”. Die meisten Chinesen reisen im Sommer. Ueli Heer befürchtet: “Wenn das Reiseverbot bis dann bestehen bleibt, könnte es grössere Einschnitte geben”.

Jean-Daniel Pasche, Präsident FH

Im diesem Jahr dürften die Schweizer Uhrenexporte einen Wert von rund 21,5 Milliarden Franken erreichen, prognostiziert Jean-Daniel Pasche, Präsident des Schweizerischen Uhrenverbandes (FH), in einem Gespräch mit dem TOURBILLON BLOG TickTalk.ch. Das sei zwar weit entfernt von jenen 22,2 Milliarden Franken, die die Branche im Rekordjahr 2014 wertmässig exportiert habe. Die Branche sei dennoch mit dem Ergebnis im laufenden Jahr zufrieden.

About Karl Heinz Nuber

Jahrgang 1951, war einer der ersten Journalisten, der sich dem Thema Zeitmesser hauptberuflich annahm. 2005 lancierte er das TOURBILLON - Das Schweizer Magazin für Uhren, Menschen, Life & Style. Heute ist er ein international gefragter Berater, Autor, Dozent, Talk-Gast und ausgewiesener Experte für Uhrensammlungen und Sammleruhren.

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