Im August 2019 hatte das Genfer Schmuck- und Uhrenhaus Chopard in den USA eine Klage von der Firma Rihanna und Co. wegen nicht bezahlter Rechnungen für das Vorführen des CHOPARD-Schmuckes am Hals. Im August 2020 geriet die Chopard Co-Direktorin Caroline Scheufele ins Zentrum eines angeblichen Sex-Skandal. Das Haus Chopard propagiert “nachhaltiges Gold” und gerät dabei erneut selbst ins Visier von Untersuchungen. Skandal-Gold wurde in der Schweiz als besonders nachhaltig vermarktet
Die Gold-Branche hat schon lange ein Imageproblem: Seit Jahren kommen regelmässig neue Details zu Kinder- und Zwangsarbeit, schweren Vergiftungsfällen von Mensch und Umwelt sowie Kriegsverbrechen und Korruption im Zusammenhang mit Goldförderung und -handel ans Licht. Die Schmuck- und Luxusindustrie hat deshalb ein Zertifikat ins Leben gerufen, das die verantwortungsvolle Förderung von Gold und Edelsteinen bestätigen soll: Der Responsible Jewellery Council (RJC). Wie verschiedene Fälle zeigen, ist das Zertifikat aber nicht viel wert:
So wurden auch Unternehmen zertifiziert, die Rubine aus Myanmar importieren und so ein brutales Militärregime mitfinanzierten oder Gold von einer äthiopischen Mine abnahmen, die zu schweren Geburtsgebrechen führte.
Auch in der Schweiz wurde ein PR-Vehikel ins Leben gerufen, um den schlechten Ruf der Gold-Industrie aufzubessern: Die Swiss Better Gold Initiative (SBGI), die vom Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO) mit Millionenbeträgen alimentiert wird. Besonders stossend: Auch die peruanische Unfall-Mine wurde von der Swiss Better Gold Initiative über Jahre als Vorzeigebeispiel für den transparenten und verantwortungsvollen artesanalen Goldabbau und Kleinbergbau vermarktet.

Von links: Serge Steininger und Pauline Evequoz von Chopard, Diana Culillas von der Swiss Better Gold Association, Myriam Samaniego von der Mine Yanaquihua in Peru, Thomas Hentschel von Better Gold Initiative, Antoine de Montmollin, CEO der Goldraffinerie Metalor @ Swiss Better Gold Initiative
Im Mai 2023 kamen 27 Minenarbeiter bei einem schweren Unfall in einer peruanischen Goldmine ums Leben, in der wichtige Sicherheitsvorkehrungen fehlten. Das geförderte Gold wurde von der UBS und Schweizer Luxusmarken als besonders nachhaltig angepriesen.
Im Süden Perus, im Departement von Arequipa, befindet sich weit abgelegen auf rund 2000 Metern über Meer die Goldmine La Esperanza (die Hoffnung). Die Mine gehört dem peruanischen Bergbauunternehmen Yanaquihua S.A.C. (MYSAC). 100% des Goldes werden von der umstrittenen Schweizer Goldraffinerie Metalor abgenommen und landen beispielsweise in «nachhaltigen» Goldbarren der UBS.
Die eigentliche Arbeit in den Stollen von La Esperanza lässt MYSAC jedoch von verschiedenen Subunternehmen erledigen, unter anderem von der Sermigold E.I.R.L., die die Konzession für zwei der neun Stollen in der Mine hat.
Am Samstag des 6. Mai 2023, kurz nach Mitternacht, kam es im Stollen «La Esperanza I» zu einem schweren Brand. Dichter Rauch schloss die Minenarbeiter ein und 27 von ihnen erstickten qualvoll im Berginnern.

Sicherheitskräfte bei Bergungsarbeiten in der Mine Esperanza in Yanaquihua, Peru
Die Angehörigen der Verstorbenen machten dem Bergbauunternehmen MYSAC und dem Subunternehmen Sermigold, welches die Arbeiten im Stollen verantwortete, in peruanischen Medien nach dem Brand schwere Vorwürfe. So sollen verschiedene Minenarbeiter das Unternehmen bereits vor dem Unglück auf die ungenügenden Sicherheitsvorkehrungen aufmerksam gemacht haben. Beispielsweise habe es bereits Monate vor dem Unfall Stromausfälle gegeben, aber die Verantwortlichen hätten nie reagiert.

Die Familien der verstorbenen Minenarbeiter fordern Aufklärung. ©Miguel Gutiérrez
Als wir im Sommer 2023 Angehörige und ehemalige Minenarbeiter besuchten, wurde uns berichtet, dass sich einige der Mineure zuhause beklagt hatten, die Sicherheit in der Esperanza-Mine sei nicht besser gewesen als in informellen bis illegalen Minen, wo sie teilweise vorher angestellt waren. Erfahrene Arbeiter, die ihren Vorgesetzten Missstände meldeten, seien aufgefordert worden zu kündigen, wenn sie mit den Bedingungen nicht einverstanden waren. Ausserdem sei in der Mine regelmässig auch ohne Sicherheitsingenieur gearbeitet worden, der aber gemäss Vorschrift zwingend vor Ort sein müsste. Auch in der Unglücksnacht war kein Sicherheitsingenieur vor Ort. Der vorherige Stelleninhaber habe nach einem Urlaub die Kündigung eingereicht und sei nicht mehr an seinen Arbeitsplatz zurückgekehrt. Die Minenbetreiberin MYSAC bestreitet, dass die Vorschriften nicht eingehalten worden seien.

Die Luxusmarke Chopard verwendet zu 100 Prozent ethisch einwandfreies Gold. Was verbirgt sich hinter dem Begriff Ethical Gold. Nachhaltigkeit ist auch für eine bekannte Luxusmarke wie Chopard ein wichtiger Faktor und fest in der Unternehmenskultur verankert. Die Manufaktur zeigt, dass nachhaltiger Luxus auch in Sachen Schmuck und Uhren möglich ist. Mit „Ethical Gold” definiert Chopard ethisch einwandfreies Gold. Ethisches Gold entspricht nachweislich internationalen Umwelt- und Sozialstandards. Somit verwendet das familiengeführte Traditionsunternehmen für seine Uhren und Schmuckstücke nur noch Gold, dass unter verantwortungsvollen Bedingungen gewonnen wurde. Zum einen stammt das neu geschürfte Gold von kleinen, handwerklich betriebenen Minen, die Mitglied in der Swiss Better Gold Association (SBGA) sind und damit Fairtrade und Fairminded sind. Zum anderen bezieht Chopard sein Gold von RJC-zertifizierten Raffineriepartnern, die RJC – Chain of Custody – Gold anbieten. Alles nur Worthülsen, die Chopard verbreitet.
Greenwashing ist ein Kampfbegriff, der eine atemberaubende Karriere hingelegt hat. Es gibt praktisch keinen wichtigen Konzern, der diesem Vorwurf entkommen kann. Die Unternehmen sind chancenlos. Ihre Kritiker sind ihnen immer einen moralischen Schritt voraus. Erst ignorierte die Wirtschaft die Umweltbewegung. Dann machte sie sich mit grünem Marketing lächerlich. Heute tut sie so, als sei sie selbst die Umweltbewegung. Im Hintergrund wirkt immer die Angst vor der öffentlichen Anklage: „Greenwashing!“


SUMMARY_ Als Alleinabnehmerin hätte die Schweizer Raffinerie Metalor dafür sorgen müssen, dass bei der Goldförderung grundlegende Sicherheitsstandards eingehalten werden, damit keine Arbeiter zu Schaden kommen. Dass es grobe Sicherheitsbedenken gab, war nämlich hinreichend bekannt: So kam es zwischen 2011 und 2022 beim Minenbetreiber MYSAC bereits zu 196 Unfällen mit «schweren Verletzungen oder Behinderungen» als Folge. Bei drei Unfällen zwischen 2019 und 2022 verlor je ein Minenarbeiter sein Leben – beispielsweise, weil die Decke einstürzte und den Arbeiter verschüttete.
Ein unveröffentlichter Untersuchungsbericht der peruanischen Behörden zum Brand zeigt nun, wie gravierend die Sicherheitsprobleme in der Mine waren: So fehlte in der Mine ein Warnsystem, das die Arbeiter koordiniert zur Evakuation aufrief. Im Gegenteil gab es laut unseren Quellen sogar teilweise Gegenbefehle – die Ursache für den Rauch sei behoben und es könne weitergearbeitet werden. Der Minenbetreiberin MYSAC fehlte gemäss Untersuchungsbericht zudem ein offizieller Evakuierungsplan für Notfälle. Die Beschilderung der Evakuierungsrouten und Notausgänge innerhalb der Mine habe auch gefehlt, weshalb die Arbeiter, die vor dem Feuer und dem Rauch flohen, sich nicht orientieren konnten. Es habe zudem in der Mine kein angemessenes Brandschutzsystem (Feuerlöscher / Sand / Zisternen) gegeben und auch die Schutzräume seien mangelhaft ausgerüstet gewesen. Wie ungenau es die Minenbetreiberin mit der Sicherheit nahm, sieht man auch daran, wie knapp ein noch grösseres Unglück abgewendet wurde: So fanden die peruanischen Behörden in den Schächten scharfe Zünder und Sprengstoff, die herumlagen und eine riesige Explosion hätten verursachen können.
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