Samstag , 18 April 2026
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JACOB & CO., God of Time, das schnellste Tourbillon der Welt

Watches & Wonders 2026: Viel “Wirbel” in Genf

Das Tourbillon, auch als Wirbelwind bezeichnet, da sind sich alle einig, ist erstens eine der größten technischen Herausforderungen der Feinuhrmacherei und zweitens ziemlich unnötig – jedenfalls bei Armbanduhren.

Denn entwickelt wurde es einst, um den Schwerkraftfehler der Hemmung in Taschenuhren auszugleichen, die stets in derselben Position getragen wurden. An einem mal so, mal so bewegten Arm bedarf es einer solchen Kompensation nicht. Technische Vernunft hält Hersteller und Käufer komplizierter Uhren aber schönerweise nicht davon ab, sich immer wieder für ein Tourbillon zu begeistern, sie zu verbessern oder neu zu gestalten. Die deutsche Uhren-Journaille erklärte jedes Jahr immer wieder das Tourbillon für tot. Auf der Watches & Wonders 2026 gibt es dafür auch in diesem Jahr viele gute Beispiele dass das Tourbillon nach wie vor gerne lebt.

A. Lange & Söhne

Lange 1 Tourbillon Ewiger Kalender „Lumen” – Ref. 720.035FE 

Die neue “Lumen”-Variante markiert das Debüt des Manufakturkalibers L225.1 – ein vollständig neu konstruiertes automatisches Werks mit 685 Teilen und 50 Stunden Gangreserve. Das Kaliber vereint Tourbillon mit Sekundenstopp, ewigen Kalender mit exakt springenden Anzeigen sowie eine Mondphasenanzeige, die eine rechnerische Abweichung von nur einem Tag in 122,6 Jahren aufweist. 

Technisch bemerkenswert ist die Kombination mehrerer Detaillösungen, von denen mindestens eine auf ein Patent der Manufaktur aus dem Jahr 2008 zurückgeht: eine V-förmige Stoppfeder, die das sekundengenaue Stellen einer Uhr mit Tourbillon erst ermöglicht. Ebenfalls neu ist der Zentralrotor aus 18 Karat Weißgold mit einer äußeren Schwungmasse aus 950er Platin.

Das konstruktive Konzept dahinter geht über reine Mechanik hinaus. Das halbtransparente Saphirglas-Zifferblatt ist nicht nur ästhetisches Mittel: Es dient funktional dazu, die darunter liegenden Kalenderebenen bei Tageslicht mit Energie aufzuladen, damit sämtliche Anzeigen – Großdatum, retrograder Wochentag, Mondphase, Schaltjahresanzeige – bei Dunkelheit lesbar bleiben. Die Mondphasenanzeige erhält erstmals eine integrierte Tag-/Nacht-Indikation: Hinter der Mondscheibe dreht sich eine Himmelsscheibe im 24-Stunden-Rhythmus, die tagsüber einen hellen, nachts einen sternübersäten Himmel zeigt. Alle Anzeigen sind nachleuchtend und können daher auch bei Dunkelheit eindeutig abgelesen werden.

Das Zifferblatt folgt einer Geometrie, die für Lange typisch ist. Großdatum, retrograder Wochentag, Sekunde und Mondphase liegen auf einer gemeinsamen Vertikalen; der Stundenminuten-Mittelpunkt bildet die Dreiecksachse. Die Monatsanzeige sitzt dafür nicht im Hilfszifferblatt, sondern auf einem außenliegenden rotierenden Ring – ein konstruktiver Eingriff, der mehr Platz für die darunter liegende Kalenderebene schafft. Eine Schaltjahresanzeige ist dazu bei 6 Uhr in einem eigenen Fenster untergebracht.

Zur Finissierung: Tourbillon-Kloben und Zwischenradkloben aus Edelstahl werden in Schwarzpolitur ausgeführt, von Hand graviert und nachpoliert. Der Tourbillon-Diamant-Deckstein sitzt im verschraubten Goldchaton – ein Element, das Lange ursprünglich für seine Taschenuhren in 1A-Qualität verwendete. Die Limitierung auf 50 Exemplare bei einem Platingehäuse von 41,9 Millimetern Durchmesser positioniert die „Lange 1 Lumen” klar im Segment der zeitlimitierten Komplikations-Editionen jenseits von Standardkatalogen. Die Bauhöhe beträgt 13 Millimeter. 

JC BIVER

Carillon Tourbillon Unique Piece

Im Jahr 2023 eröffnete das Vater‑Sohn‑Team einen neuen Abschnitt in der Uhren­welt mit der Gründung ihrer eigenen Maison. 2024 markierte das Debüt der Marke mit dem ersten modularen Werk, dem JCB‑003, ausgestattet mit Mikro­rotor und Null‑Reset‑Funktion.
Der Firmensitz befindet sich in einem Bauernhaus aus den 1890er Jahren im Dorf Givrins nahe dem Genfer See – hier arbeiten Uhrmacher und Dekorateure seit der Gründung täglich an den einzigartigen Zeit­messern der Marke.
Im Zentrum der Biver-Philosophie steht das unermüdliche Bestreben, den Gipfel der Uhrmacherkunst zu erreichen. Die Uhrmacher hauchen jeder Uhr eine Seele ein, indem sie jeden Millimeter akribisch verzieren und perfektionieren – einschliesslich der unsichtbaren Teile. Diese Liebe zum Detail macht jede Kreation einzigartig.

Biver Armbanduhr, Einzelstück Tourbillon Carillon, 43 mm, goldgrau,. Armband, mit Faltschliesse, Zifferblatt: automatische Sodalit, Kaliber JCB.001-A, Saphireis, mit Wiederholungsminuten, Saphire, insgesamt: 30,52 ct. Ref.: PRF-00070, Preis CHF 1’384’00.00 (inkl. MWSt)

JACOB & CO

GOD OF TIME

Im Zentrum der neuen Jacob & Co.  “God of Time” steht ein Superlativ, der selbst in der Welt der Haute Horlogerie selten ist. Das Tourbillon vollführt eine komplette Rotation in nur vier Sekunden. Damit dreht es sich 15-mal pro Minute und ist schneller als alles, was bislang in einer Armbanduhr realisiert wurde.

Üblicherweise benötigt ein Tourbillon 60 Sekunden für eine Umdrehung, selbst sogenannte Hochgeschwindigkeitsvarianten gelten mit fünf oder acht Sekunden bereits als Extrem. Jacob & Co. verschiebt diese Grenze nun erneut.

Möglich wird das durch ein kompromisslos auf Effizienz getrimmtes Konstruktionsprinzip. Der Tourbillonkäfig besteht überwiegend aus Titan und bringt lediglich 0,27 Gramm auf die Waage. Weniger Masse bedeutet weniger Trägheit – eine zwingende Voraussetzung bei dieser Rotationsgeschwindigkeit. Angetrieben wird das System vom neu entwickelten Handaufzugskaliber JCAM60, das bei 3 Hz arbeitet und dennoch eine Gangreserve von 60 Stunden bietet. Vier Federhäuser liefern die notwendige Energie, während ein integriertes Konstantkraftsystem diese dosiert an die Hemmung weitergibt, um Gangstabilität trotz extremer Belastung zu gewährleisten.

Jacob & Co. belässt es jedoch nicht bei reiner Technik. Die “God of Time” erzählt eine visuelle Geschichte, die tief in der Mythologie verwurzelt ist. Auf dem Zifferblatt aus blauem Aventurin erhebt sich Chronos, die Personifikation der Zeit. Die 37 Millimeter hohe Figur wird vollständig von Hand aus 18-karätigem Roségold gefertigt, graviert, poliert und patiniert. Chronos hält den rasenden Tourbillonkäfig wie ein pulsierendes Herz vor seiner Brust – eine Inszenierung, die Mechanik und Symbolik untrennbar miteinander verbindet.

Das 44,5 Millimeter große Gehäuse greift diese Erzählung auf und orientiert sich formal an einer ionischen Säule, inklusive geriffeltem Mittelteil. Mit einer Höhe von 18,25 Millimetern wirkt die Uhr wie ein tragbares Monument. Die Krone sitzt links, während das Tourbillon bewusst auf der rechten Seite platziert ist, sodass seine Bewegung am Handgelenk sichtbar bleibt.

Auf der Rückseite zeigt der Saphirglasboden nicht nur das Kaliber, sondern auch das Porträt von Firmengründer Jacob Arabo samt Signatur – ein persönlicher Verweis auf seinen 60. Geburtstag, zu dem diese Uhr entstanden ist.

Die Jacob & Co. “God of Time” erscheint in einer streng limitierten Auflage von 60 Exemplaren. Das Modell kostet etwa 309.000 Euro. Erhältlich ist die Uhr über ausgewählte Jacob-&-Co.-Boutiquen.

JAEGER-LECOUTRE

MASTER HYBRIS INVENTIVA GYROTOURBILLON À STRATOSPHÈRE

Die neue Master Hybris Inventiva Gyrotourbillon à Stratosphère ist das erste Modell der Hybris Inventiva Serie, die für die Entwicklung scheinbar unmöglicher Komplikationen steht. Das neu patentierte dreiachsige Tourbillon deckt 98 % aller möglichen Positionen ab und bietet so eine bislang unerreichte Präzision. Das Gehäuse aus Platin (950/1000) gibt den Blick auf das Uhrwerk aus 18-karätigem Weißgold (750/1000) frei, veredelt mit Guillochierung, Lackierung, handanglierten Brücken und einem durchscheinenden blauen Emaille-Ring.

MASTER HYBRIS MECHANICA ULTRA THIN MINUTE REPEATER TOURBILLON

Angetrieben vom Kaliber 362 verfügt die neue Master Hybris Mechanica Ultra Thin Minute Repeater Tourbillon über ein ultraflaches 5-mm-Automatikwerk mit Minutenrepetition und fliegendem Tourbillon. Ihr skelettiertes Design, akzentuiert durch Saphirbrücken, gibt den Blick frei auf die 593 Komponenten und den guillochierten Rotor. Im 18-karätigen Rotgold-Gehäuse (750/1000) des Zeitmessers trifft technisches Know-how auf feinste Haute Horlogerie Finishes.

MASTER GRANDE TRADITION TOURBILLON JUMPING DATE

Angetrieben vom Kaliber 978 präsentiert die neue Master Grande Tradition Tourbillon Jumping Date das charakteristische Tourbillon mit innovativer springender Datumsanzeige. Die überarbeitete Konstruktion des Uhrwerks verfügt bei 9 Uhr über eine Öffnung, durch die der „Papillon“-Mechanismus sichtbar wird. Ein tiefblaues Zifferblatt mit Gerstenkornmuster, Zeiger und Indizes aus 18-karätigem Rotgold (750/1000) sowie edle Haute Horlogerie Finishes runden diese elegante Neuinterpretation ab. 

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