Der Schweizer Uhrenindustrie geht es schlecht, weil China eingebrochen ist, der starke Franken die Preise hochtreibt, die globale Nachfrage schwächelt und die USA durch Zölle und politische Unsicherheit volatil geworden sind. Eine Erholung ist möglich – aber nicht kurzfristig und nur mit klar positionierten Produkten.
Warum es der Schweizer Uhrenindustrie aktuell schlecht geht
1) Massiver Nachfrageeinbruch in China & Hongkong
- In zwei Jahren sind die Verkäufe in China um mehr als ein Drittel eingebrochen.
- Asien insgesamt: –3,8% Exporte. China war über ein Jahrzehnt der wichtigste Wachstumsmotor – dieser Motor ist jetzt praktisch ausgefallen.
2) Starker Schweizer Franken → Preisexplosion
- Der Franken verteuert Schweizer Uhren weltweit.
- Touristen kaufen weniger in der Schweiz, weil der Wechselkurs den Mehrwertsteuer-Vorteil neutralisiert.
3) Globale Unsicherheit & US-Handelspolitik
- Die USA sind mit 17% der wichtigste Markt.
- Zölle und politische Volatilität führen zu erratischen Bestellungen (z. B. künstlicher Exportboom im April 2025, danach Einbruch).
4) Überproduktion & Lageraufbau
- 2025 wurden große Mengen in die USA exportiert, die nicht verkauft, sondern eingelagert wurden.
- Das drückt spätere Exporte und führt zu Rückstaus.
5) Rückgang in allen Preissegmenten außer Mid‑Range
- 3’000 CHF: –1,9%
- <500 CHF: –4,5%
- Stückzahlen insgesamt: –4,8% (–740’000 Uhren) Das zeigt: Sowohl Einstiegs- als auch Luxussegmente sind unter Druck.
6) Konsumentenverhalten verändert sich
- Preissensibilität steigt.
- Smartwatches bleiben in vielen Märkten stark (z. B. Mexiko 38%).
Wann kann sich die Schweizer Uhrenindustrie erholen?
Kurzfristig (2026–2027): verhalten, keine schnelle Erholung
- Die Schweizer Regierung und Branchenverbände erwarten keine baldige Erholung in China.
- USA bleiben volatil, aber Dezember 2025 zeigte ein starkes Plus (+19,2%) – ein Hoffnungsschimmer.
Mittelfristig (2027–2029): Erholung möglich – aber selektiv
Erholung hängt ab von:
- Stabilisierung in China (derzeit nicht absehbar)
- Normalisierung der US-Handelspolitik
- Abschwächung des Frankens
- Bereinigung der Lagerbestände
Langfristig (ab 2030): strukturelle Erholung
Die Schweizer Uhrenindustrie ist historisch extrem resilient. Aber: Die Erholung wird nicht breit, sondern segmentiert stattfinden.
Mit welchen Produkten kann sich die Branche erholen?
1) Mid‑Range (500–3’000 CHF)
- Einziger stabiler Bereich 2025.
- Attraktiv für jüngere Käufer, weniger preissensibel als Einstiegssegment. → Dieses Segment wird der erste Erholungstreiber.
2) Ikonische Luxusmodelle (über 10’000 CHF)
- Nachfrage bleibt vorhanden, aber selektiv.
- Marken mit starker Identität (Patek, AP, Rolex, VC) können schneller zurückkommen. → Erholung, sobald China wieder kauft.
3) Mechanische Uhren mit klarer Differenzierung
- Handwerk, Manufaktur, Komplikationen.
- Konsumenten suchen „Wert“, nicht nur „Preis“. → Besonders relevant für unabhängige Marken.
4) Sportlich‑luxuriöse Stahlmodelle
- Global weiterhin begehrt.
- Geringere Goldabhängigkeit (Goldpreise sind Rekordhoch).
5) Smart‑Luxury‑Hybride (noch kaum genutzt)
- Deloitte zeigt: Smartwatches sind in vielen Märkten stark. → Hier liegt ein ungenutztes Potenzial für Schweizer Marken.
Strategische Prognose (realistisch)
| Zeitraum | Erwartung | Treiber |
|---|---|---|
| 2026 | Stagnation | China schwach, Franken stark |
| 2027 | leichte Erholung | USA stabilisiert sich, Lagerabbau |
| 2028–2029 | selektives Wachstum | Mid‑Range + ikonische Luxusmodelle |
| ab 2030 | strukturelle Erholung | China‑Comeback + neue Produktarchitektur |
Tick-Talk TickTalk Blog


















