Samstag , 31 Oktober 2020
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Kurssprung bei der Richemont-Aktie sorgt für Spekulationen

Der starke Kursanstieg der Richemont-Aktie vom Donnerstagnachmittag zieht wilde Spekulationen nach sich. Wird der Luxusgüterhersteller zum Ziel des französischen Mischkonzerns LVMH?

Im Laufe des Donnerstagnachmittags zog der Kurs der Richemont-Aktie kräftig an. In der Spitze kletterte die Aktie des Luxusgüterkonzerns gar auf über 65 Franken, bevor Gewinnmitnahmen sie wieder etwas zurückfallen liessen. Bei Börsenschluss resultierte dann aber immer noch ein ansehnliches Plus von fast 5 Prozent.

Da mit Ausnahme einer leichten Kurszielerhöhung durch die US-Investmentbank Goldman Sachs keine firmenspezifischen Neuigkeiten vorliegen, öffnet dieser Kurssprung wilden Börsenspekulationen Tür und Tor. Im Zentrum dieser Spekulationen steht das Scheitern der Übernahme des Schmuckherstellers Tiffany durch LVMH.

Die Deutsche Bank beispielsweise schliesst nicht aus, dass Kering oder eben Richemont an die Stelle des französischen Mischkonzerns treten und den Amerikanern ein unwiderstehliches Angebot unterbreiten könnten. In den Handelsräumen hiesiger Banken gibt es allerdings auch Stimmen, die nun Richemont als ein mögliches Ziel von LVMH nennen. Diese Kreise sehen sich im überraschenden Entscheid des Luxusgüterkonzerns bestätigt, die Pläne für das Aktionärsbindungs-Programm quasi in letzter Minute noch auf Eis zu legen.

Die wohl naheliegendste Erklärung für den Kurssprung ist aber, dass Richemont nach dem Scheitern der Übernahme von Tiffany durch LVMH künftig nicht mit einem übermächtigen Rivalen im

Zumindest die Zürcher Kantonalbank hat eine klare Meinung. Sie hält eine Übernahme von Richemont durch LVMH zumindest für den Moment für wenig wahrscheinlich. Mit einer Börsenkapitalisierung von 36 Milliarden Franken spiele Richemont in einer ganz anderen Liga als die mit umgerechnet 13 Milliarden Franken bewertete Tiffany. Ausserdem käme ein Firmenverkauf einer Kapitulation des Mehrheitsaktionärs, der Familie Rupert, gleich, so die Zürcher Bank weiter. Wegen des immer noch bestehenden Enttäuschungsrisikos bei der Gewinnentwicklung stuft sie die Richemont-Aktie wie bis anhin mit „Untergewichten“ ein.

Mit einem Kursrückgang um fast 16 Prozent seit Ende Dezember zählt Richemont zu den schwächeren Vertretern aus dem Swiss Market Index (SMI) in diesem Jahr. Vom Rekordhoch vom Frühsommer 2018 bei fast 100 Franken aus errechnet sich gar ein Minus von 35 Prozent. Die Luxusgüterindustrie zählt denn auch zu den Verlierern der wirtschaftlichen Folgen der Covid-19-Pandemie, wie etwa dem starken Rückgang bei der Reisetätigkeit.

KOMMENTAR

Da die milliardenschwere Übernahme des Edeljuweliers Tiffany durch den finanzkräftigen französischen Luxusgüterkonzern LVMH die Marktführerschaft von Richemont im lukrativen Schmuckgeschäft in Frage stellt, erwartet man eine angemessene Antwort aus Genf. Diese könnte so aussehen, dass sich Richemont mit dem ewigen Rivalen Kering zusammenschliesst – wie das einige Aktionäre schon eine ganze Weile fordern. Auch der bekannte Luxusgüteranalyst Luca Solca von Bernstein Research wähnt die Genfer nach dem transatlantischen Vorstoss von LVMH unter Zugzwang. Allerdings sähe er Richemont viel lieber mit Chanel zusammengehen, liessen sich damit seines Erachtens doch materielle Aktionärswerte schaffen. Dass Solca sein Kursziel für die mit „Outperform“ empfohlenen Aktien von Richemont auf 90 (zuvor 100) Franken kürzt, wird mit grundsätzlichen Anpassungen im Bewertungsmodell begründet.

About Karl Heinz Nuber

Nuber ist langjähriger unabhängiger Uhren Journalist und begann seine Karriere in den frühen 80er Jahren. Durch das Sammeln kam er zum Schreiben. Er ist Gründer des vierteljährlich regelmässig bilingual – Deutsch und English - erscheinenden TOURBILLON Magazin’s, dem TOURBILLON Blog TICK-Talk, der Ausstellungs- und Event Plattform Art of TOURBILLON und TOURBILLON TV. Er tritt regelmässig als Kenner der Branche in Erscheinung.

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