Sonntag , 20 Juni 2021
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Richemont mit sinkenden Jahresumsatz und steigendem Gewinn

Der schweizerische Luxusgüter- und Handelskonzern Compagnie Financière Richemont SA hat das Geschäftsjahr 2020/21 mit einem Umsatzrückgang abgeschlossen. Kräftige Zuwächse in China konnten Einbußen in anderen, stärker von den Auswirkungen der Covid-19-Pandemie betroffenen Märkten nicht vollständig ausgleichen. Dank höherer Finanzeinnahmen fiel der Nettogewinn aber deutlich höher aus als im Vorjahr. Das geht aus einem Geschäftsbericht hervor, den das Unternehmen am Freitag veröffentlichte.

Im Ende März abgeschlossenen Geschäftsjahr belief sich der Konzernumsatz von Richemont demnach auf 13,1 Milliarden Euro. Damit lag er um acht Prozent (währungsbereinigt -5 Prozent) unter dem Niveau des Vorjahres. Nachdem die Erlöse in der ersten Jahreshälfte aufgrund der ersten Corona-Welle um 26 Prozent (währungsbereinigt -25 Prozent) abgerutscht waren, erlebte das Unternehmen im zweiten Halbjahr eine deutliche Erholung (+12 Prozent, währungsbereinigt +17 Prozent). Im Schlussquartal stieg der Umsatz sogar um dreißig Prozent (währungsbereinigt +36 Prozent).

Kräftige Zuwächse in China können Umsatzeinbußen in Europa und Amerika nicht ausgleichen

Positiv entwickelten sich die Geschäfte im asiatisch-pazifischen Raum (ohne Japan), in dem der Jahresumsatz dank kräftiger Zuwächse in China um 19 Prozent (währungsbereinigt +22 Prozent) auf 5,94 Milliarden Euro gesteigert wurde. In den übrigen Marktregionen verfehlten die Umsätze hingegen das Vorjahresniveau: In Europa schrumpften sie um 31 Prozent (währungsbereinigt -30 Prozent) auf 2,96 Milliarden Euro, in Amerika um 15 Prozent (währungsbereinigt -10 Prozent) auf 2,39 Milliarden Euro und in Japan um 22 Prozent (währungsbereinigt -21 Prozent) auf 940 Millionen Euro. Im Nahen Osten und Afrika gingen die Erlöse um ein Prozent auf 924 Millionen Euro zurück, bereinigt um Wechselkursveränderungen stiegen sie um vier Prozent.

Von den einzelnen Konzernsegmenten konnte nur die Schmucksparte ein kleines Umsatzplus erzielen: Ihre Erlöse stiegen dank kräftiger Zuwächse in Asien, dem Nahen Osten und Afrika um drei Prozent auf 7,46 Milliarden Euro. Im Uhrensegment sank der Umsatz um 21 Prozent auf 2,25 Milliarden Euro, die zur Unternehmensgruppe gehörenden Onlinehändler wie Yoox und Net-A-Porter mussten aufgrund von zeitweiligen Beschränkungen in ihren Logistikzentren einen Rückgang um neun Prozent auf 2,20 Milliarden Euro hinnehmen. Die übrigen Geschäftsbereiche, zu denen auch die Modelabels Chloé und Alaïa gehören, kamen zusammen auf Erlöse in Höhe von knapp 1,35 Milliarden Euro und lagen damit um 25 Prozent unter dem Vorjahresniveau.

Weil der Konzern seine Betriebskosten im Vergleich zum Vorjahr um zehn Prozent senken konnte, ging der operative Gewinn lediglich um drei Prozent auf 1,48 Milliarden Euro zurück. Deutlich höhere Finanzerträge sorgten dafür, dass der ausgewiesene Jahresüberschuss um 38 Prozent auf 1,29 Milliarden Euro zulegte.

Der Konzern will Marktplatzmodelle bei seinen Onlinehändlern Yoox und Net-A-Porter einführen

Aufgrund der anhaltenden Unsicherheiten hinsichtlich des weiteren Verlaufs der Covid-19-Pandemie verzichtete der Konzern auf konkrete Prognosen für das laufende Geschäftsjahr. Konzernchef Johann Rupert kündigte in einem Statement aber „entschiedene Maßnahmen“ zur Weiterentwicklung der Geschäfte an. Dabei liege der Fokus auf „Digitalinitiativen, stärkerer Kundenorientierung und dem Abschluss strategischer Partnerschaften“.

Richemont Patron Johann Rupert

Konkret plant Richmont, seine Online-Handelsplattformen um Marktplatzkomponenten zu erweitern und so in neue „Hybridmodelle“ umzuwandeln. So soll das Angebot von Net-A-Porter und Mr Porter künftig durch „E-Concessions mit Top-Marken“ bereichert werden. Bei Yoox werde ein Online-Marktplatz ab dem Beginn des Kalenderjahres 2022 das bisherige Sortiment ergänzen und so für „größere Auswahl und neue Produktkategorien sorgen“, erklärte Rupert.

SUMMARY
Richemont ist mit dem bestehenden Portfolio gut aufgestellt. Das Unternehmen hat erstens mit Cartier und Van Cleef & Arpels zwei globale Megabrands unter seinem Dach. Zweitens ist der Konzern in der künftig alles entscheidenden Online-Distribution mit Tochter Yoox Net-a-Porter sowie Allianzen mit Farfetch und Alibaba besser aufgestellt als die Konkurrenz. Drittens hat Patron Johann Rupert einen langen Atem und ist bereit, in die Schwächen seines Markenportfolios zu investieren. Viertens ist er auch im M&A-Business, das sich nach der Pandemie zu einer Bonanza ausweiten dürfte, stets am Ball. Was Richemont jedoch fehlt, ist der Mut, unkonventionell zu sein. Insbesondere die Uhrensparte verliert Marktanteile, weil die Richemont-Brands in den letzten Jahren bloss das bisherige Portfolio verwaltet haben, statt mal wieder ein Modell zu lancieren, das neu und anders ist (einzige Ausnahme, meiner Meinung nach: die IWC Shock Absorber). Die Innovationen passieren bei den Nischen- und Mirkro-Brands. Innovieren ist arbeits- und kostenintensiv, verwalten hingegen ist einfacher.

About Karl Heinz Nuber

Nuber ist langjähriger unabhängiger Uhren Journalist und begann seine Karriere in den frühen 80er Jahren. Durch das Sammeln kam er zum Schreiben. Er ist Gründer des vierteljährlich regelmässig bilingual – Deutsch und English - erscheinenden TOURBILLON Magazin’s, dem TOURBILLON Blog TICK-Talk, der Ausstellungs- und Event Plattform Art of TOURBILLON und TOURBILLON TV. Er tritt regelmässig als Kenner der Branche in Erscheinung.

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