Montag , 26 September 2022
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Louis Vuitton Ausstellung am Roten Platz in Moskau

Neuer Kaufrausch der Russischen Elite

Lange Schlangen vor Louis Vuitton, Cartier und Bulgari Boutiquen in Moskau. Panikartige Investitionen in Schmuck und Uhren sollen das unermessliche Vermögen der Oligarchen, das durch den täglichen Zerfall des Rubels sowie durch Börsen-Talfahrt an Wert verliert, aufhalten. Und immer wieder fällt der Name Rolex. 

Angesichts der einschneidenden internationalen Sanktionen gegen Russland, die den Rubel abstürzen lassen und die Aktienmärkte lahmlegen, greifen die Wohlhabenden des Landes zu Luxusschmuck und Uhren, um den Wert ihrer Ersparnisse zu erhalten.

So sind beispielsweise die Verkäufe von Bulgari in russischen Geschäften in den letzten Tagen gestiegen, wie der der CEO des italienischen Unternehmens, Jean-Christophe Babin, gegenüber dem Nachrichten-Portal Bloomberg bestätigt: 

Der umstrittene Bvlgari CEO Jean-Christophe Babin. Seine Glaubwürdigkeit ist ruiniert, seit er damals als TAG Heuer CEO ein Seiko Kaliber als TAG Heuer Manufaktur Kaliber der Welt verkaufen wollte.

„Kurzfristig hat es das Geschäft wahrscheinlich angekurbelt“, sagte er und beschrieb Bulgaris Schmuck als „sichere Investition“. 

„Wie lange es dauern wird, ist schwer zu sagen, denn mit den vollständig umgesetzten SWIFT-Maßnahmen könnte es in der Tat schwierig, wenn nicht sogar unmöglich werden, nach Russland zu exportieren“, führte er weiter aus. Eine Preiserhöhung für russische Kunden scheint zudem zu kommen. 

„Wenn der Rubel die Hälfte seines Wertes verliert, bleiben unsere Kosten Euro-Kosten gleich. Wir können bei dem, was wir verkaufen, kein Geld verlieren, also müssen wir die Preise anpassen“, sagte Babin. 

Bulgari plant also, seine Geschäfte offen zu halten und außerdem die Entwicklung eines neuen Hotels in Moskau trotz des Krieges voranzutreiben. Sollte die Krise jedoch Monate andauern, „wäre es schwierig, das Land zu versorgen“, so der CEO im Bloomberg-Interview. 

Der Russische Staatspräsident Putin gemeinsam mit LVMH Boss Bernard Arnault

Nach einem möglichen freiwilligen Verkausstopp der der LVMH-Marke in Russland infolge des Ukraine-Krieges klingt dies ganz und gar nicht. LVMH gab allerdings bekannt, dass es fünf Millionen € an das Rote Kreuz spendet, um den Opfern des Krieges zu helfen. LVMH leistet auch finanzielle und operative Unterstützung für seine 150 Mitarbeiter in der Ukraine, teilt der Konzern mit.

Bulgari ist mit seiner Haltung übrigens nicht alleine. Cartier (Richemont) verkauft in und nach Russland genauso weiter wie beispielsweise Omega (Swatch Group) und Rolex. 

Jean-Fred Dufour, Rolex CEO schweigt

„Wir sind für das russische Volk da und nicht für die politische Welt“, rechtfertigt sich Babin. „Wir sind in vielen verschiedenen Ländern tätig, in denen Zeiten der Unsicherheit und Spannungen herrschen.“ 

Wie sich das gerade bei der weltweit stark beachteten Ukraine-Krise auf das Image der Marken auswirken wird, wird sich noch zeigen. 

„Es ist wahr, dass Luxusmarken beschließen könnten, den russischen Markt nicht zu bedienen. Vernünftigerweise wären dies Kosten für sie, die möglicherweise durch das positive Kommunikationsimage, das sie in anderen Märkten erhalten, aufgewogen würden“, teilte Bernstein-Analyst Luca Solca Bloomberg per E-Mail mit. 

Dabei machen die Verkäufe in Russland beziehungsweise an Russen nur einen geringen Anteil des Gesamtumsatzes aus. Analysten zufolge sind es bei der LVMH und der Swatch Group weniger als zwei und bei Richemont weniger als drei Prozent 

Ein Sprecher der Swatch Group sagte gegenüber Bloomberg, das Unternehmen beobachte die Situation in Russland und der Ukraine sehr genau und lehnte eine weitere Stellungnahme ab. Auch die Sprecher von Richemont, Rolex, Hermes, LVMH und Kering SA lehnten es bislang ab, sich zu ihren Aktivitäten in Russland zu äußern. Von TICK-TALK.CH liegt ebenfalls eine entsprechende Anfrage bei den Unternehmen vor, Antworten stehen noch aus. 

Der Druck auf die großen Marken scheint zu wachsen. So hat unter anderem die Fachzeitschrift Business of Fashion die internationalen Modelabels dazu aufgefordert, russische Geschäfte zu schließen und keine Produkte online zu versenden. In einem weit verbreiteten Leitartikel sagte Chefredakteur Imran Amed, der Schritt sei „weitgehend symbolisch“, aber er würde „das Engagement für eine starke moralische Position“ zeigen. 

Und auch das größte Kaufhaus der Ukraine, Tsum in Kiew, hat einen Solidaritäts-Aufruf an die internationale Modebranche gestartet. 

„In diesen schwierigen und dunklen Zeiten für die Ukraine und die Weltgemeinschaft bitten wir Sie, diese Stimme zu nutzen, um die Ukraine zu unterstützen, die Menschheit zu schützen und uns dabei zu helfen, den Krieg zu beenden”, so die Stellungnahme von Marusya Koval, Marketingleiterin des Kaufhauses. Sie fordert dazu auf, „jegliche Beziehung mit russischen Marken, Händlern und Medien“ abzubrechen und ergänzt: „Keine internationale Marke soll in Russland angeboten oder verkauft werden.“ 

Ähnlich wie in der Uhren- und Schmuckbranche ist die Reaktion der internationalen Modeindustrie zumeist abwartend. Das gilt jedoch nicht für die zur Richemont-Gruppe gehörende Luxus-Onlineplattform Yoox Net-a-Porter, die Anfang der Woche bekannt gab, die Lieferungen nach Russland einzustellen – beziehungsweise einstellen zu müssen: „Aufgrund der aktuellen Situation sind wir nicht in der Lage, Bestellungen in Ihr Land zu senden. Die Auftragsabwicklung wurde bis auf Weiteres eingestellt. 

Dieser Beitrag erschein auch in der HandelsZeitung, der Bilanz und bei Watch Pro.

Niemand kann das Kriegsmonster Putin bremsen, oder will es niemand machen?

SUMMARY_Zuerst einmal eine Korrektur: Keine Schmuck- und Uhrenmarke ist bei einem Wiederverkauf das Geld wert, das man dafür bezahlt hat. Auch wenn dies selbsternannte Journalisten und Fachleute behaupten. Ausnahme ist Patek Philippe und Rolex.
Auch wenn der umstrittene Bvlgari CEO Babin behauptet, dass Bvlgari Schmuck und Uhren eine gute Kapitalanlage sei, so ist dies nicht richtig. Verfolgt man die weltweiten Auktionsergebnisse, so ist die Marke Bvlgari ein kleiner Fisch. Dieses Märchen von grossen Wertzuwächsen ist reine PR-Maschinerie der Marken.

Bis heute warte ich auf irgendwelche Sanktionen aus der Uhrenindustrie gegen den Aggressor Russland, der ein friedliebendes Land wie die Urkaine ohne Vorwarnung überfallen hat und die Ukrainischen Bürger vor allem die Zivilbevölkerung alte Frauen und Kinder auf grausamste Art abschlachtet ua Ukrainische Atomkraftwerke angreift und stundenlang beschiesst um so einen möglichen Supergau über ganz Europa zu provozieren.

Wie sollten sich Hersteller von Luxusuhren also verhalten? Sich an geltende Gesetze und Sanktionen halten, was so oder so ein Minus beim Geschäft mit Russland bedeuten würde? Oder sollten sie so wie Apple oder Nike sagen, wir lassen es ganz? Auch, um ein Zeichen zu setzen, dass man die durch nichts zu rechtfertigende Invasion der Ukraine ablehnt und als Völkerrechtsverletzung verurteilt? Für den Preis des kompletten Umsatzausfalles in diesem Land. Für Apple ist dieser nicht so klein. In einer aktuellen Statista-Umfrage geben 16 Prozent der Befragten in Russland an, dass ihr am meisten genutztes Handy ein Gerät von Apple ist. 

Öffentlich hat sich bislang noch kaum eine der großen Uhrenmarken oder einer der Uhrenkonzerne zur Ukraine-Krise geäußert oder gar einen Verkaufsstopp ausgerufen. Was in keiner Weise heißt, dass man den Krieg nicht verurteilt. Denn jeder normal denkende Mensch tut dies. Die Frage ist nur, inwieweit man dies nach Außen trägt und entsprechende Konsequenzen zieht. 

Also, beweisen wir doch alle ein wenig öffentliche Moral – wie, das muss natürlich jeder für sich selbst entscheiden. 

About Karl Heinz Nuber

Nuber ist langjähriger unabhängiger Uhren Journalist und begann seine Karriere in den frühen 80er Jahren. Durch das Sammeln kam er zum Schreiben. Er ist Gründer des vierteljährlich regelmässig bilingual – Deutsch und English - erscheinenden TOURBILLON Magazin’s, dem TOURBILLON Blog TICK-Talk, der Ausstellungs- und Event Plattform Art of TOURBILLON und TOURBILLON TV. Er tritt regelmässig als Kenner der Branche in Erscheinung.

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