Zwei Wochen nach der chaotischen Lancierung der Royal Pop sinken die Preise sowie das Interesse der Käuferinnen. Was bleibt sind die Erinnerungen an den Verkaufsstart am 16. Mai 2026: Chaos & Sicherheitsprobleme beim Verkaufsstart, Vorwürfe der Abzocke, künstlich erzeugter “Hype”, sowie grundsätzliche Kritik an der Markenstrategie. Diese Kritik steht im Kontrast zur “offiziellen Kommunikations-Politik” der Swatch Group und Audemars Piguet, die von „überwältigender Nachfrage“ spricht.
Als Swatch und Audemars Piguet am 16. Mai 2026 die Royal Pop vorstellten, waren die Reaktionen enorm. Vor den Boutiquen bildeten sich lange Schlangen, die ersten Exemplare wechselten unmittelbar nach dem Verkaufsstart zu Preisen den Besitzer, die ein Vielfaches des offiziellen Listenpreises betrugen. Zwei Wochen später hat sich die Lage spürbar beruhigt. Doch die aktuellen Daten von Chrono24 zeigen, dass die Royal Pop trotz sinkender Preise weiterhin zu den erfolgreichsten Uhrenkooperationen der vergangenen Jahre gehört.
In den ersten Tagen nach dem Verkaufsstart wurden die Modelle der Kollektion durchschnittlich für rund 1.440 Euro gehandelt. Angesichts offizieller Verkaufspreise zwischen 385 und 400 Euro entsprach dies einem Aufschlag von mehr als dem Fünffachen des Listenpreises. Inzwischen hat sich das Marktbild deutlich normalisiert.
Heute liegen die meisten Varianten knapp unter der Marke von 1.000 Euro. Damit hat die Royal Pop einen beträchtlichen Teil ihres anfänglichen Hypes eingebüßt. Dennoch werden die Uhren weiterhin deutlich über dem offiziellen Verkaufspreis gehandelt. Aus Sicht von Chrono24 folgt die Entwicklung exakt dem Muster früherer Swatch-Kooperationen: Nach einem explosiven Marktstart sorgen steigendes Angebot und nachlassende Spekulation für sinkende Preise.
Eine bemerkenswerte Ausnahme bildet die blaue Variante Làn Ba. Während sich die übrigen Modelle auf einem niedrigeren Niveau eingependelt haben, erzielt dieses Modell weiterhin Preise von rund 1.600 Euro. Die Situation erinnert an die MoonSwatch Mission to Neptune, die nach ihrem Marktstart ebenfalls deutlich wertstabiler blieb als die übrigen Varianten der Serie.
Noch interessanter als die Preisentwicklung ist die Entwicklung der Nachfrage. Laut Chrono24 erreichten die täglichen Kaufanfragen zum Marktstart das 2,9-Fache des Höchstwerts, den die MoonSwatch im Frühjahr 2022 verzeichnet hatte. Dieser Rekordwert hat sich inzwischen deutlich abgeschwächt.
Zwei Wochen nach dem Verkaufsstart liegt die Nachfrage noch beim rund 1,4-Fachen des damaligen MoonSwatch-Höchststands. Das bedeutet: Der Höhepunkt des Hypes ist zwar vorbei, doch die Royal Pop erzeugt weiterhin mehr Interesse als jede frühere Swatch-Kooperation.
Parallel dazu hat sich auch das Angebot verändert. Die Zahl neuer Inserate pro Tag liegt inzwischen mehr als 80 Prozent unter dem Niveau der ersten Tage. Die erste Welle kurzfristiger Wiederverkäufer scheint weitgehend abgeebbt zu sein. Gleichzeitig bleibt die schwarze Referenz die meistgehandelte Variante der gesamten Kollektion.
Der Erfolg der Royal Pop hängt nicht allein mit den Namen Swatch und Audemars Piguet zusammen. Die Kollektion trifft einen Trend, der den Uhrenmarkt seit Jahren prägt: farbige Zifferblätter. Nach Angaben von Chrono24 besitzt heute etwa jede vierte verkaufte Uhr ein farbiges Zifferblatt. Vor einigen Jahren war es noch deutlich weniger.
Besonders gefragt bleiben blaue Modelle, während Grün, Pink und andere kräftige Farben in den vergangenen Jahren stark aufgeholt haben. Die Royal Pop nutzt diesen Trend konsequent und verbindet ihn mit der unverwechselbaren Formensprache der Royal Oak.
“Damit zeigt sich zwei Wochen nach dem Verkaufsstart ein klares Bild: Die Royal Pop entwickelt sich nicht zum kurzfristigen Strohfeuer”, so Nicky-Boy (Nick Hayek). “Zwar sind die extremen Preisaufschläge der ersten Tage verschwunden, doch Nachfrage und Marktpreise liegen weiterhin auf einem Niveau, das selbst die MoonSwatch-Kampagne übertrifft. Für Swatch und Audemars Piguet dürfte das der eigentliche Erfolg dieser Kooperation sein”, so der 71-jährige Hayek.
SUMMARY_Die Lancierung der Royal Pop war ein gut orchestriertes Ablenkungsmanöver von den eigentlichen Problemen der Swatch Group.
Die Marke Swatch ist tot: Man brauchte kein Experte zu sein, um diese Entwicklung zusehen: den Niedergang der Schweizer Uhrenmarke Swatch. Die Macher hinter der Kultuhr haben den Anschluss ans digitale Zeitalter verpasst. Weltweit sinken die Verkaufszahlen. Schon vor dem Wirtschaftsknick des Lockdowns sagte der Waadtländer Uhrenexperte Oliver Müller der «Handelszeitung»: «Heute ist die Marke Swatch tot.» Im gleichen Atemzug fährt er fort: «Nick Hayek wird es nie zugeben.» Hayek (65) leitet die von seinem legendären Unternehmervater Nicolas (1928-2010) übernommene Swatch Group. Das ging auch gut, so lange die ikonischen Zeitmesser aus Plastik noch Trends setzen konnten und konkurrenzlos waren.
Der Aktienkurs der Swatch Group Aktie geht seit 10 Jahren in nur eine Richtung: in den Keller: Der Schweizer Uhrenhersteller hat Anfang Mai seine Social-Media-Kanäle mit kryptischen Ankündigungen bespielt. Daraufhin folgte der erste Anstieg der Aktie am 07. Mai. An diesem Tag stieg das Wertpapier um 16,94 Prozent und notierte den Kurs bei 233 Euro. Die offizielle Bestätigung der Kooperation am 11. Mai sorgte für einen kurzzeitigen Sprung auf das 12-Monats-Hoch von 240 Euro, bevor die Aktie wieder etwas an Wert verlor. Derzeit notiert sie bei 221,20 Euro, was einem Plus von 38,2 Prozent im Vorjahresvergleich entspricht. Seit diesem Wochenende ist klar: Viele hatten den Hype sogar noch unterschätzt.
Probleme im Verwaltungsrat der Swatch Group: An der Generalversammlung der Swatch Group wehrte sich der Uhrenkonzern den Versuch des aktivistischen US-Investors Steven Wood (Greenwood Investors) erfolgreich ab, in den Verwaltungsrat einzuziehen. Trotz Unterstützung durch Inhaberaktionäre scheiterte Woods erneuter Vorstoss am Widerstand der Familie Hayek, die stattdessen Andreas Rickenbacher in das Gremium wählte. Forderung: Wood argumentiert, dass die starke Dominanz der Familie Hayek im Unternehmen aufgebrochen werden muss und drängt auf frische Perspektiven, insbesondere im Bereich der Premiummarken.
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