Montag , 26 Juli 2021
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Swatch schreibt im ersten Halbjahr Gewinn

Der Uhrenhersteller Swatch hat das erste Semester 2021 mit einem kräftigen Umsatzwachstum und einer Rückkehr in die Gewinnzone abgeschlossen.

So wie die Einschränkungen wegen der COVID-19-Pandemie langsam wieder aufgehoben werden, erwartet Swatch für das zweite Halbjahr bessere Ergebnisse als noch vor der Krise.

Der Nettoumsatz kletterte von Januar bis Juni um satte 54,6 Prozent auf 3,39 Milliarden Franken, wie der Uhrenhersteller am Montag mitteilte. Gegenüber dem Vorkrisenjahr 2019 verzeichnete man allerdings zu konstanten Wechselkursen immer noch einen Rückgang um 12,3 Prozent. Der währungsbedingte Umsatzrückgang im Vergleich zu 2019 betrug 185 Millionen.

Die Umsatzerholung habe sich von Monat zu Monat beschleunigt, heisst es in dem am Montag veröffentlichten Halbjahresbericht des Unternehmens. Dabei seien vor allem in China, Macao, den USA und in Russland hohe Wachstumsraten verzeichnet worden. Vor allem in den eigenen Geschäften und natürlich im Onlinehandel sei das Geschäft überdurchschnittlich gewachsen. Flughäfen und Touristenorte seien hingegen deutlich unter dem Niveau von 2019 geblieben.

Swatch weist einen Betriebsgewinn von 402 Millionen Franken aus nach einem Verlust von 327 Millionen im Jahr davor. Die Betriebsmarge lag bei 11,9 Prozent. Im Segment Uhren und Schmuck habe man gar eine höhere operative Marge von 17 Prozent erreicht als im Jahr vor der Krise (15,6%). Unter dem Strich schrieben die Bieler mit 270 Millionen Franken wieder einen Gewinn. Im ersten Semester 2020 hatte es noch ein Verlust von 308 Millionen resultiert.

Erholung im zweiten Halbjahr erwartet

Basierend auf dem deutlich besseren Umsatz im zweiten Quartal, insbesondere im Juni, erwartet Swatch für das zweite Quartal weiteres Wachstum in Lokalwährungen. Der Umsatz dürfte laut dem Bericht gar über dem Niveau von 2019 zu liegen kommen.

Die von Europa und den asiatischen Ländern angekündigte Lockerung der COVID-Beschränkungen sowie die Wiederaufnahme des Tourismus in vielen Regionen würden für einen weiteren Umsatzschub sorgen.

Positiv gestimmt zeigt sich Swatch auch für seine Technologieunternehmen im Segment Elektronische Systeme: EM Microelectronic-Marin, einer der wenigen europäischen Hersteller von Ultra-Low-Power-Chips, profitiere von der Knappheit an Mikrochips, die weltweit grassiert. So habe sich das Tochterunternehmen von Swatch Zugang zu neuen Märkten und Kunden verschafft. Die Swatch Gruppe werde in den nächsten Jahren stark in den Ausbau der Produktionskapazitäten in Marin investieren, heisst es.

Die Uhrenbranche ist nach dem Horrorjahr 2020 im Erholungsmodus. Die zur Eindämmung des Coronavirus verordneten Reisebeschränkungen, Shop-Schliessungen und Unterbrüche in der Produktion liessen den Umsatz von Swatch im vergangenen Jahr um knapp einen Drittel einbrechen. Inzwischen haben die Exporte der Schweizer Uhrenindustrie schon fast wieder das Vorkrisenniveau erreicht.

Swatch-Aktien nach Halbjahreszahlen gesucht

Der Uhrenkonzern Swatch hat am Montagabend überraschend seine Halbjahreszahlen vorgelegt. Diese sind zwar besser als erwartet ausgefallen, den Aktien geht aber dennoch in einem insgesamt etwas schwächeren Markt im frühen Handel die anfängliche Puste aus.

Bis zum Handelsschluss gewannen die Titel noch 0,86 Prozent hinzu auf 317,00 Franken.

Unter dem Strich sind sich die Analysten einig, dass Swatch mit den vorgelegten Zahlen die Umsatz- und Gewinnerwartungen der Expertengemeinschaft geschlagen hat. Auch den Abstand zum Vor-Krisen-Jahr 2019 habe das Unternehmen klar verringern können.

Bei der am Nachmittag anstehenden Telefonkonferenz dürfte der Fokus auf der Nachhaltigkeit der Zahlen liegen, heisst es beispielsweise in einem Kommentar von Morgan Stanley.

Gleichzeitig geht die Mehrzahl der Analysten davon aus, dass die durchschnittlichen Konsensschätzungen für Swatch nach oben angepasst werden. Immerhin hat der Konzern berichtet, dass sich die Geschäftslage von Monat zu Monat verbessert habe und gerade der Juni sehr stark ausgefallen sei. Auch beim Ausblick habe sich Swatch gewohnt zuversichtlich gezeigt.

Bei JPMorgan gehen die Experten beispielsweise davon aus, dass die durchschnittlichen Gewinnschätzungen für Swatch mindestens im mittleren einstelligen Prozentbereich steigen werden.

Zudem erachten die JPM-Experten die Aussagen über die Geschäftsbeschleunigung im zweiten Quartal als ein gutes Omen für den gesamten Luxussektor. Gleichzeitig betonen sie in ihrem Kommentar weiter davon auszugehen, dass die Luxusmarke Richemont besser abschneiden wird als Swatch, da Richemont von der aktuellen Stärke im höheren Preissegment und dem boomenden US-Markt profitiere. Auch die von Swatch geäusserte „sehr starke Nachfrage nach Harry Winston-Schmuck“ verheisse Gutes für Richemont.

Etwas zurückhaltender fällt dagegen die Reaktion bei der UBS aus. Hier moniert die zuständige Expertin die Qualität der Zahlen. So sei etwa die Margenverbesserung nicht auf geringere Betriebskosten zurückzuführen, sondern auf geringere Bestandsveränderungen.

About Karl Heinz Nuber

Nuber ist langjähriger unabhängiger Uhren Journalist und begann seine Karriere in den frühen 80er Jahren. Durch das Sammeln kam er zum Schreiben. Er ist Gründer des vierteljährlich regelmässig bilingual – Deutsch und English - erscheinenden TOURBILLON Magazin’s, dem TOURBILLON Blog TICK-Talk, der Ausstellungs- und Event Plattform Art of TOURBILLON und TOURBILLON TV. Er tritt regelmässig als Kenner der Branche in Erscheinung.

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