Samstag , 31 Oktober 2020
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D. Dornblüth & Sohn liegt mit Watchfinder im Bett

D. Dornblüth & Sohn glauben, dass sie mit Watchfinder eine „Win-Win-Situation“ geschaffen haben. Gut möglich, aber „Watchfinder“ ist ein Unternehmen der Richemont Gruppe also „Richemont Brands First“. Auf Spurensuche.

D. Dornblüth & Sohn. Kalbe an der Milde.

Dieter Dornblüth kam als junger Uhrmachermeister Ende der 1950er Jahre auf die Idee, selbst ein Werk für eine Armbanduhr zu entwickeln. Er fertigte erste Entwürfe sowie ein paar Teile – und dabei blieb es. Dornblüth übernahm ein Uhrenfachgeschäft in Kalbe an der Milde und widmete sich fortan der Reparatur und dem Verkauf von Uhren. Als sein Sohn Dirk, ebenfalls Uhrmachermeister, ihm 1999 eine selbstentworfene Armbanduhr zum 60. Geburtstag schenkte, erzählte der Vater von den alten Plänen, worauf beide beschlossen, den Versuch zu wagen. Heute sind Dornblüth-Uhren weit über die Grenzen Deutschlands hinaus bekannt. Ihre Fertigung mittels sorgfältiger Handarbeit und teils betagter Präzisionsmaschinen ruft eindrucksvoll in Erinnerung, dass sich Uhren höchster Qualität immer noch ohne aufwendige Computertechnik und CNC-Maschinen bauen lassen.

Eigenständig, klar, kompromißlos.

Nahezu jedes Teil einer Dornblüth-Uhr wird im eigenen Betrieb nachgearbeitet oder gar, wie Unruhkloben, 3/4-Platine, Sperrfeder und -klinke sowie die Schwanenhalsfeder, komplett selbst hergestellt. Im Herzen unseres Modells finden Bauteile des bewährten Taschenuhrkalibers ETA 6498 Verwendung, das in den 1950er Jahren von Unitas entwickelt wurde und bis heute mit Handaufzug und kleiner Sekunde produziert wird. Es kommt im Rohzustand ins Haus und wird dort komplett zerlegt und überarbeitet. Platinen und Brücken werden neu gefertigt, rotvergoldet und mit verschraubten Goldchatons versehen. Die Grundplatine und die Ankerbrücke erhalten einen Perlschliff, die Aufzugräder einen doppelten Sonnenschliff, die 3/4-Platine einen Genfer Streifenschliff. Firmensignet und die individuelle Nummer der Uhr werden eingraviert und gelbvergoldet. Die als Rohlinge gelieferten Zeiger werden wie die Schrauben bei Dornblüth poliert und gebläut.

Alles „Fatto a mano“

 Die Gehäuse stammen aus einem edelstahlverarbeitenden Betrieb der Region, den Dornblüth überzeugen konnte, seine Fähigkeiten in der Metallbearbeitung und seine Fertigungspräzision für Uhrengehäuse zu nutzen. Sie werden bei Dornblüth geschliffen, satiniert und poliert. Das Zifferblatt aus massivem Silber kommt von einem Betrieb aus Lörrach. Seine Oberfläche wird dort glasperlengestrahlt und feinversilbert, bevor im Tamponverfahren der Zifferblattaufdruck aufgebracht und das Zifferblatt zaponiert wird. Es ist neben Saphirglasdeckel und -boden sowie der Aufzugskrone mit Firmensignet das einzige Teil, das unverändert im zugelieferten Zustand eingebaut wird. Jede Dornblüth-Uhr wird, bevor sie das Haus verläßt, auf Herz und Nieren geprüft, hinsichtlich der Ganggenauigkeit getestet und gegebenenfalls nachreguliert – jeder Uhr liegt ein Zeugnis über diese Prüfung bei. Sie erhalten die Uhr in einem Kästchen aus poliertem, heimischem Ulmenholz und -wurzelholz, das unweit Kalbe gefertigt wird und – wenn man die Uhr nicht am Arm trägt – eine Nutzung als Tischuhr erlaubt. Einziger Wermutstropfen: Pro Monat verlassen nur 10–15 Uhren den Betrieb, bei stetig steigender Nachfrage.

D. DORNBLÜTH & SOHN KALIBER 99.0

Produktinformation

Artikelnummer 41415

Finissiertes Handaufzugwerk ETA 6498 (Werkhöhe 4,5 mm, Ø 36,6 mm, 18 Steine, 18.000 Halbschwingungen, 50 h Gangreserve) mit Nivarox-1-Spiralfeder, Glucidur-Unruh und Schwanenhals-Feinregulierung. Zifferblatt massives Silber, Zeiger gebläut. Deckglas von innen entspiegeltes, kratzfestes, leicht gewölbtes Saphirglas, verschraubter Saphirglasboden. Gehäuse Edelstahl, poliert und satiniert; Gehäusehöhe 11,5 mm, Ø 42 mm. Druckfest bis 3 bar (spritzwassergeschützt). Braunes Cordovan-Lederarmband, abgesteppt, mit Dornschließe aus Edelstahl, Breite 22 mm. Gewicht mit Armband 83 g.

Mein persönlicher Favorit ist die 99.10 Weltzweit, die in drei Varianten – Weltzeit Klassik – Weltzeit Auf & Ab – Weltzeit Regulator – erhältlich ist.

Die Weltzeit „AUF&AB“ mit Gangreserveanzeige bei „12 Uhr“, die Faszination des Einfachen … Purismus in seiner schönsten Form
Auch ein schöner Rücken lässt entzücken ..

Hier noch der Film in English

KOMMENTAR

D. Dornblüth & Sohn – Hinter diesem Namen verbirgt sich eine hochinteressante kleine Uhrenschmiede aus Kalbe in Sachsen. Man könnte sagen, es handelt sich um einen „Geheimtipp“.

Dank moderner Medien sind wir Uhrenjournalisten mit den Uhrenherstellern weltweit zusammengerückt und man tauscht sich aus bzw lernt interessante Hersteller und Uhrmacher kennen. So ist es auch mir mit Dirk Dornblüth ergangen, den ich bisher nicht auf dem Radar hatte. An der Mans World in Zürich, wo die Marke D. Dornblüth & Sohn ausgestellt hatte, lernte ich Herrn Dornblüth und seine unverwechselbaren Uhren kennen und ich war von Anfang an von der Ästhetik, der unglaublichen Qualität und der Fertigungstiefe beeindruckt. Und noch etwas, Herr Dornblüth bot mir spontan eine Personalisierungstiefe an, sodass meine Favoritin die Weltzeit, ein Unikat wäre, das reicht vom PT Gehäuse bis zu den farbigen Zifferblättern oder farbig abgesetzte Indizes. Bei einer jährlichen Produktion von 150 bis 200 Uhren ist dies gut möglich.

Ursprünglich wurden Unitas Uhrwerke als Basis verwendet, aber mittlerweile werden, bis auf ganz wenige Teile, alle Werke in Kalbe konstruiert und gebaut. Faszinierend daran ist, dass Dornblüth komplett ohne CNC-Technik auskommt und alle Teile mit herkömmlichen Maschinen hergestellt werden.

Ich war von diesen außergewöhnlichen und hochwertigen Uhren überzeugt, die Ästhetik und die Qualität haben mich begeistert. Absoluter Favorit ist für mich die Weltzeit Kollektion sowie die mir angebotenen Personalisierungsmöglichkeiten. Chapeau Herr Dornblüth.

About Karl Heinz Nuber

Nuber ist langjähriger unabhängiger Uhren Journalist und begann seine Karriere in den frühen 80er Jahren. Durch das Sammeln kam er zum Schreiben. Er ist Gründer des vierteljährlich regelmässig bilingual – Deutsch und English - erscheinenden TOURBILLON Magazin’s, dem TOURBILLON Blog TICK-Talk, der Ausstellungs- und Event Plattform Art of TOURBILLON und TOURBILLON TV. Er tritt regelmässig als Kenner der Branche in Erscheinung.

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